Sport : MEXIKO

Im Bundesstaat Oaxaca gibt es zwar eines der wenigen funktionierenden Matriarchate – trotzdem hat der Frauenfußball noch einen langen Weg bis zur Anerkennung vor sich

Im fußballverrückten Mexiko gibt es eine Profiliga für Frauen in der aktuellen Form erst seit 2007. Allerdings ist die Super Liga Femenil de Fútbol nur auf dem Papier professionell, zum Leben reichen die an die Spielerinnen gezahlten Gehälter nicht. Die Frauennationalmannschaft steht auf einem schwachen 22. Rang der FIFA-Weltrangliste, wogegen ausgerechnet Erzrivale USA Platz 1 hält. Überraschend kam daher der 2:1-Sieg der weiblichen Tri, wie die mexikanische Fußballnationalmannschaft aufgrund der dreifarbigen Nationalfahne genannt wird, im entscheidenden WM-Qualifikationsspiel Ende 2010 gegen die USA. Langsam tut sich also etwas im Frauenfußball, auch wenn er noch einen langen Weg zu der Anerkennung vor sich hat, die die Männer bekommen.

Ähnliches gilt für die Rolle der mexikanischen Frau. Trotz einer starken Frauenbewegung und selbstbewussten, engagierten sowie beruflich höchst erfolgreichen Mexikanerinnen geht das Rollenbild häufig immer noch mit der konservativen Sichtweise des mexikanischen Literaturnobelpreisträgers Octavio Paz einher, der in seinem Hauptwerk „Das Labyrinth der Einsamkeit“ (1959) von der „ergebenen mexikanischen Frau“ spricht: Dadurch dass sie als „abgehärtetes Opfer“ ihr Leid – ergo ihre Ausnutzung – ertrage, werde sie „unverwundbar, gleichmütig und stoisch“.

Die Rolle der Frau kann im vielfältigen Mexiko aber auch eine ganz andere sein. In der Stadt Juchitán im Bundesstaat Oaxaca beispielsweise dominiert die weibliche Hälfte der ansässigen Zapoteken das öffentliche Leben und hat die führende Rolle in Wirtschaft, Handel und dem Ausüben von Traditionen. Weltweit ist Juchitán damit einer der wenigen Orte mit einem funktionierenden Matriarchat. Das andere Extrem in Mexiko ist wiederum die ausufernde Gewalt gegen Frauen sowie der berüchtigte Machismo. So wurden im gesamten Land in den vergangenen zehn Jahren über 10 000 Frauen ermordet. Eine große Mehrheit der Mexikanerinnen gibt zudem an, schon einmal sexuell belästigt worden oder Opfer von Gewalt gewesen zu sein.

Das Goethe-Institut beurteilt im Tagesspiegel die Rolle der Frau und des Frauenfußballs in den WM-Ländern.

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