Sport : Meyer leidet mit dem Gegner

Christoph Kieslich

Wenn man siegt, dann fällt Großherzigkeit leicht. Deshalb darf man in dem Moment, da Borussia Mönchengladbach auf der sicheren Seite im Abstiegskampf der Bundesliga angekommen ist, an die schlechten Zeiten erinnern, in denen Hans Meyer nebst aller fachlichen Kompetenz stets auch den Schalk in seinem Gemüt pflegte. Wahrscheinlich schätzt ihn Volker Finke auch dafür. Jedenfalls richtete der Gladbacher Trainer nach dem 1:0-Sieg seiner Mannschaft eine Sympathieadresse an die Freiburger und machte aus seinen Präferenzen kein Geheimnis: "Wenn ich es mir hätte aussuchen können", sagte Hans Meyer, "dann hätte ich lieber gegen Stuttgart gewonnen."

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Bundesliga-Tippspiel: Das interaktive Fußball-Toto von meinberlin.de Nun kann man es sich im Leben aber nicht immer aussuchen, und deshalb wird Meyer auf dem Heimweg schon noch in die richtige Feierlaune gekommen sein, wo doch der Erfolg im Breisgau bedeutet, dass die Borussia neun Punkte Vorsprung hat auf den dritten, von Freiburg unfreiwillig verteidigten Abstiegsplatz. Somit wächst zur Gewissheit, den Aufsteiger samt seines klugen Trainers auch nächste Saison in der ersten Bundesliga zu erleben. Etwas, wovon die Freiburger nur träumen.

An der trübsinnigen Stimmung im Dreisamstadion nach dem neunten Spiel in Reihe ohne Sieg nahm Meyer mit eigener, ungekünstelter Bedrücktheit teil. Der Respekt vor dem Gegner rührt in erster Linie von der Art Berufsfußball, den sein Kollege in Freiburg vorlebt und der nicht weit entfernt ist von den Auffassungen Meyers. Außerdem hat er in Kotrainer Michael Frontzeck und Kapitän Steffen Korell, die als Spieler ihre eigenen Erfahrungen mit Finke in Fußball-Freiburg gemacht haben, zwei zuverlässige Zeugen. Korell, der gegen seine ehemaligen Weggefährten einen tadellosen Innenverteidiger gespielt hatte, sagte: "Es würde mir Leid tun, wenn Freiburg absteigt, für die Mannschaft und die Fans - und das ist ehrlich gemeint."

Bei so viel Anteilnahme wäre fast der Auftritt der Borussia verblasst. Vielleicht hatte Hans Meyer auch das Gefühl, mit dem dritten Auswärtssieg über Gebühr belohnt worden zu sein. 79 souveräne Minuten, die Meyer zum Besten zählte, was diese Saison auswärts gespielt worden war, wurden mit dem elften Saisontor Arie van Lents gekrönt. Damit war das Spiel gelaufen, fast. Denn in den letzten zehn Minuten erspielte sich ein zuvor verunsicherter SC Freiburg einige Chancen, und der Ausgleich wäre kein Zufall gewesen. "Dass die Freiburger da nicht treffen", sagte Meyer, "hängt auch mit ihrer Tabellensituation zusammen."

Die könnte man als elend bezeichnen, wenn man von 16 Spielen lediglich eines (das 2:0 gegen Nürnberg nach der Winterpause) gewonnen hat. Davor gewann der SC zuletzt am ersten November-Wochenende gegen Cottbus, und dorthin führt am Karsamstag der dornige Weg zum Klassenerhalt. Faktisch hat sich nichts verschlimmert mit der fünften Heimniederlage, weil Nürnberg auch verloren hat.

Mit dem Club aus Nürnberg hat der SC Freiburg schon zweimal am letzten Spieltag einen Absteiger ausgemacht und dabei das bessere Ende für sich gehabt. Jetzt läuft alles auf eine Wiederholung hinaus. Volker Finke bleibt nur, den Laden zusammenzuhalten: "Der Mut darf bei uns jetzt nicht verloren gehen." Hans Meyer hätte es nicht schöner sagen können.

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