Michael Neumayer : "Ich springe lieber bei plus 15 Grad"

Michael Neumayer über Skispringen im Sommer und die Zukunft seines Sports.

Luise Hermann
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Michael Neumayer, 30, startet seit 2000 im Weltcup. 2005 wurde er mit dem Team Zweiter bei der WM in Oberstdorf. -Foto: ddp

Herr Neumayer, gestern hat der Sommer-Grand-Prix begonnen. Wie ist es für Sie, im Sommer zu springen?



Ich bin es gewohnt, da wir vorwiegend im Sommer trainieren und dann im Winter unsere Wettkampfsaison haben. Für uns ist es alltäglich, aber für einen normalen Menschen, der sich Skispringen als Wintersport vorstellt, ist das oft ein bisschen komisch. Die Leute fragen dann: Wie macht ihr das denn ohne Schnee, baut ihr da einen Gletscher?

Sie fahren auf Keramikspuren, oder?

Für den Anlauf gibt es verschiedene Möglichkeiten. Zum Beispiel Metall- oder auch Keramikspuren. Die werden bewässert, damit die Gleitfähigkeit gut und gleichmäßig ist. Das funktioniert hervorragend und ist eigentlich schöner als im Winter. Es läuft sich wie auf Schienen.

Das heißt also, Sie springen lieber im Sommer?

Skispringen ist immer noch ein Wintersport. Ich mag schon gern Schnee unter dem Fuß haben. Aber im Sommer funktioniert das sehr, sehr gut. Ich muss ehrlich zugeben, ich springe lieber bei plus 15 Grad als bei minus 15 Grad.

Kommen denn im Sommer und im Winter unterschiedliche Weiten zustande?

Die Schanzen sind genau die gleichen wie im Winter, nur eben mit Sommerbelag. Wir haben das gleiche Material, es wird also auch ähnlich weit gesprungen.

Sie haben das gleiche Material, das heißt, Sie tragen auch die gleichen Anzüge wie im Winter?

Das stimmt, ja. Im Sommer schwitzt man, im Winter friert man. Man muss halt versuchen, im Winter eine wärmende Schicht drunter anzuziehen, aber man hat ja nicht viel Platz unter dem Anzug. Im Sommer versucht man dann natürlich, so wenig wie möglich drunter zu ziehen. Wir wollen halt mit den gleichen Voraussetzungen trainieren, wie wir sie dann im Winter vorfinden... sollten.

Der fehlende Schnee war oft ein Problem.

Ja, es ist leider oft so gewesen, dass der Schnee nicht mehr so früh kommt. Wir suchen ja Anfang, Mitte November immer schon den Kontakt zum Schnee. Anfang November kann man sich bei den jetzigen Wintern aber abschminken. Dann weichen wir in Länder aus, in denen es eher kalt wird, wie Norwegen oder Finnland. Diese Reisen hat man auch vorher schon in Kauf genommen, aber es schiebt sich halt alles etwas knapper zum Weltcup-Auftakt hin. Wir haben früher wesentlich mehr Schneesprünge vor dem Weltcup-Start gehabt als jetzt.

Meinen Sie, die Sommerschanzen könnten mal einen Ersatz für den Schnee bieten?

Ich könnte mir vorstellen, dass vielleicht in 20 oder 30 Jahren, wenn diese Problematik weiterhin besteht, der Sommer aufgewertet wird und dann auch für eine längere Periode Wettkämpfe stattfinden. Aber ich glaube trotzdem, dass Skispringen die nächsten Jahre erstmal ein Wintersport bleibt.

Das Gespräch führte Luise Hermann.

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