Michael Pfad, Freezers : "Es macht keinen Spaß mit der Ausnahmetruppe Eisbären"

Freezers-Geschäftsführer Michael Pfad über übermächtige Berliner und seine Mission in Hamburg

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Freezers-Geschäftsführer. MIchael Pfad.picture-alliance

Herr Pfad, am Sonntag spielen die Freezers in Berlin. Die Eisbären prosperieren in jeder Hinsicht, ihr Klub nicht. Sind Sie ein bisschen neidisch auf die Eisbären?

Nein. Es ist so, dass ich sie als Vorbild in einigen Bereichen für uns sehe. Unabhängig von der Frage, dass sie mit der Anschutz Entertainment Group denselben Gesellschafter haben. Sonst sehe ich da keine Verknüpfung.

Was muss denn in Hamburg passieren, damit das Produkt so gut wird wie in Berlin?

In Hamburg lässt sich nicht alles vom Modell Berlin kopieren, aber eines: der sportliche Bereich. Wir versuchen kommende Saison mit Stephané Richer in der sportlichen Verantwortung etwas aufzubauen. Er soll Spieler zu uns locken, die ihren Leistungszenit bei uns erreichen und ihn nicht schon hinter sich haben.

Was ist denn alles schiefgelaufen bei Ihrem Vorgänger Boris Capla?

Ich als Hamburger habe den Werdegang der Freezers verfolgt und schon gesehen, dass in den ersten wirtschaftlich erfolgreichen Jahren unglaublich viele Fehler gemacht worden sind. Hier ist nicht zielgerichtet gearbeitet worden. Man hat fünfstellige Zuschauerzahlen als gottgegeben hingenommen, zu wenig getan, um die Freezers in der Stadt zu etablieren.

In Berlin lassen sich die Eisbären einmal im Jahr mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit auf dem Balkon vom Roten Rathaus feiern. In Hamburg...

Halt! Die Eisbären haben es als Serienmeister einfacher. Und wenn man dann noch sieht, wie Hertha Fußball spielt. Die Freezers dagegen finden gesellschaftlich in Hamburg nicht statt. Uns lädt kein Mensch zu irgendwelchen Anlässen ein. Wir müssen endlich auch soziale Verantwortung bekommen.

Sportlicher Erfolg würde helfen?

Natürlich. Wir werden uns von vielen Spielern trennen, aber jetzt kann sich noch jeder anbieten. Wir zwingen keinen zu schlechter Leistung. Stephané Richer – auch wenn er noch in Kassel ist – schaut schon hin, was in Hamburg passiert.

Richer wird auch Nachfolger von Trainer Paul Gardner...

Das hat Wolfsburgs Kotrainer Pavel Gross behauptet. Der soll sich mal um sich kümmern. Richtig ist: Gardner muss sich den Erwartungen stellen, nach der Saison setzen wir uns zusammen.

Was ist noch möglich in dieser Saison?

Es muss ganz viel passieren, damit wir noch die Pre-Play-offs erreichen. Auf jeden Fall müssen wir nun in Berlin gewinnen. Es macht doch keinen Spaß, wenn du so eine Ausnahmetruppe wie die Eisbären hast. Der gewaltige Unterschied zu denen muss verkleinert werden.

In den ersten Monaten Ihrer Amtszeit ist Ihnen das noch nicht gelungen, oder?

Ich habe es mir leichter vorgestellt. Hier ist viel Sumpf, der trockengelegt werden muss.

Warum haben Sie sich die Aufgabe Freezers überhaupt angetan?

Ich habe die Lust, diese Geschichte hier zu drehen. Und wer weiß, wenn es funktioniert, kann die Ehe auch lange halten.

Das Gespräch führte Claus Vetter.

Michael Pfad, 46, war Chefredakteur der TV-Sender Premiere und TM3, zudem Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga. Seit November ist er Geschäftsführer der Hamburg Freezers.

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