Sport : Michael Preetz im Interview: "Unser Mittelfeld kann es mit den Bayern aufnehmen"

Sind Sie sehr deprimiert?

Michael Preetz (32) spielt seit 1996 bei Hertha BSC, war 1999 Bundesliga-Torschützenkönig und auch in der letzten Saison trotz längerer Verletzungspause mit zwölf Treffern Herthas erfolgreichster Schütze. Seit Wochen leidet Preetz, dessen Vertrag noch bis 2002 läuft, unter einer Innenbandverletzung.

Sind Sie sehr deprimiert?

Müsste ich es sein?

Na ja, das miserable Wetter hier im Trainingslager in Kaprun und dann Ihre verletzungsbedingte Nebenrolle.

Was das Wetter angeht, tröste ich mich damit, dass es in Deutschland nicht viel besser ist. Die Sache mit der Verletzung geht mir mächtig auf den Keks. Wenn es ein Innenbandriss wäre, wüsste ich, dass ich sechs bis acht Wochen pausieren müsste und dann wieder spielen könnte. Aber bei meiner Innenbanddehnung machen sich immer wieder Beschwerden bemerkbar. Wenn ich gegen den Ball trete, habe ich noch Schmerzen.

Die Verletzung könnte Sie im Kampf um einen der Plätze im Sturm zurückwerfen. An Alex Alves wird Trainer Jürgen Röber schon wegen der 15 Millionen Mark Ablösesumme kaum vorbeigehen können, und Piotr Reiss entpuppt sich plötzlich als der große Torjäger.

Da mache ich mir keine Sorgen. Für Piotr, den Hertha ja eigentlich schon abgeben wollte, freut es mich, dass er so gut trifft, auch wenn es bislang nur in unbedeutenden Testspielen war. Ali Daei wird Ende des Jahres mehrere Wochen ausfallen, weil er für sein Heimatland abgestellt werden muss. Ich bin zuversichtlich, mir mit guten Leistungen wieder Respekt zu verschaffen.

39 Tore in 34 Spielen waren in der letzten Saison kein Ruhmesblatt für Hertha. Der Sturm wurde für die kommende Serie nicht verstärkt. Sehen Sie da Probleme?

In der Tat waren 39 Tore viel zu wenig. Dass wir damit sogar noch in den Uefa-Pokal kamen, so was klappt nur ein Mal. Mit meinen zwölf Toren lag ich durchaus im Soll. Andere Mannschaftsteile kämen da schon eher in Frage, wenn man nach den Gründen der Erfolglosigkeit forscht. Diesmal bauen wir auch auf das Mittelfeld, das es durchaus mit dem des FC Bayern und Bayer Leverkusens aufnehmen kann.

Könnte Stefan Beinlich Herthas neuer Spielmacher werden?

Den Prototyp des Spielmachers gibt es doch heute kaum noch. Auch Stefan Beinlich ist kein typischer Vertreter mit der Nummer zehn auf dem Rücken. Stefan Beinlich spielte bei Bayer Leverkusen überwiegend auf der halblinken Position, gab dort auch gute Vorlagen und schoss auch Tore. Aber als ein Regisseur par excellence ist er nicht einzustufen.

Es ist von Differenzen zwischen Beinlich und Dariusz Wosz die Rede. Spüren Sie was davon?

Nein, da wird einiges aufgebauscht. Und dass sie sich gegenseitig den Platz wegnehmen, glaube ich auch nicht. Das sind ganz unterschiedliche Spielertypen.

Trainer Jürgen Röber hat attraktiveren und offensiveren Fußball für die nächste Saison versprochen. Sehen Sie sich da gefordert?

Da müssen wir uns alle gefordert sehen. Es wäre vermessen, von uns zu erwarten, dass wir im Hurrastil durch die Bundesliga fegen. Aber wir sind es den Fans schuldig, nach einer 1:0-Führung nicht gleich wieder auf Halten, sondern auf ein 3:0 zu spielen. Aber natürlich müssen wir nicht nur attraktiv, sondern auch effektiv spielen.

Es war zu lesen, Sie würden weiterhin Mannschaftskapitän sein.

Darüber habe ich mit dem Trainer noch nicht gesprochen. Man kann auch ohne Armbinde Verantwortung übernehmen. Das muss man auch von den anderen einfordern.

Trainer und Manager haben Platz drei oder vier als Saisonziel ausgegeben. Ist das realistisch?

Die ersten beiden Plätze werden auch diesmal an FC Bayern und Leverkusen vergeben sein. Dahinter wird es ganz eng. Ich wäre auch wieder mit Platz sechs zufrieden.

Sie haben sieben Länderspiele bestritten. Glauben Sie, dass es nach dem angekündigten Neuaufbau der Nationalmannschaft noch ein achtes gibt?

Sollte Rudi Völler den Neuaufbau mit jungen Leuten angehen wollen, wäre das Thema natürlich für mich erledigt. Ich habe aber auch nicht mehr die Ambitionen wie vor der Europameisterschaft. Der Verein hat für mich Priorität.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben