Michael Rensing : Keine Brille nötig

Unaufhörlich wabern Zweifel, ob Michael Rensing wirklich ein ähnlich sicherer Rückhalt wie Oliver Kahn werden kann. Der Bayern-Torhüter erklärt Unsicherheiten.

Sebastian Krass
Rensing
Michael Rensing -Foto: AFP

MünchenMichael Rensing unterlag immer noch einem Irrtum, als er nach dem Abpfiff den Platz verließ. Schon seit eineinhalb Stunden, genau genommen seit der 15. Spielminute, hatte der Torwart des FC Bayern sich darüber gefreut, dass Luca Toni gleich im ersten Champions-League-Spiel seiner Karriere ein Tor erzielte. Erst unter der Dusche befreiten die Mitspieler Rensing von seiner Unwissenheit. „Er hat mich mit der Faust jubeln sehen und dachte: So macht das Luca auch immer“, erzählte Daniel van Buyten am Tag, nachdem die Bayern das erste Champions-League-Spiel nach einjähriger Zwangspause bei Steaua Bukarest 1:0 gewonnen hatten. Dabei war es doch van Buyten gewesen, der den Ball mit dem Kopf ins lange Eck befördert hatte. Und weil van Buyten so guter Laune war, machte er noch einen Scherz: „Michael braucht wohl eine Brille.“

Er dachte sich bestimmt nichts Böses dabei und am allerwenigsten, dass gehässige Interpretatoren daraus eine kleine Spitze gegen den eigenen Torwart herauslesen könnten. Beim FC Bayern stand nach dem Sieg nämlich niemandem der Sinn danach, an irgendjemandem Einzelkritik zu üben. Im Gegenteil. Manager Uli Hoeneß jubilierte: „Es ist ein Traum für uns, besser kann die Champions League nicht beginnen.“ Trainer Jürgen Klinsmann gab immerhin zu, der Sieg habe „am seidenen Faden gehangen“ und „dass wir auch Glück hatten, dass es beim 1:0 geblieben ist“.

Das Wort „Glück“ nahm auch Michael Rensing in den Mund, aus gutem Grund. Er war nämlich sozusagen der Protagonist des Bayernglücks an diesem Abend, hatte er doch gleich in mehreren Szenen unsicher gewirkt und dennoch zu null gespielt. Den kuriosesten Auftritt hatte Rensing in der 33. Minute. Ein flacher Distanzschuss von Dayro Moreno zischte an allen Feldspielern vorbei, direkt auf Rensing zu. Vor lauter Schreck verknotete er sich die Beine und schaffte es gerade noch, den Ball an den Pfosten zu lenken. Rensing erklärte die Situation so: „Ich habe mit Martin Demichelis auch darüber gesprochen. Der wollte ihn schon abwehren. Aber dann machte der Ball plötzlich einen Knick und flog durch seine Beine. Bei dem Regen und den Bällen ist das manchmal echt schwierig.“ In der 76. Minute kam Rensing der Schiedsrichter zu Hilfe, indem er den vermeintlichen Torschützen Janos Szekely zurückpfiff. Rensing hatte erneut Probleme, einen Schuss unter Kontrolle zu bringen, Szekely spitzelte ihm die Kugel weg, ohne ihn zu berühren, und schob ein. Doch auch dafür hatte Rensing eine Erklärung parat: „Wenn der Torwart zumindest eine Hand auf dem Ball hat, kann nichts passieren. Es war eine richtige Entscheidung.“ Das mag man so sehen. Dennoch gab auch dieses Spiel den stets wabernden Zweifeln Nahrung, ob Rensing wirklich ein ähnlich sicherer Rückhalt wie Oliver Kahn werden kann. Bayernpräsident Franz Beckenbauer hatte bereits vor dem Spiel gegen Bukarest mit leichter Ungeduld in der Stimme verkündet, er warte darauf, dass der mittlerweile 24 Jahre alte Rensing auch einmal einen „Unhaltbaren“ halte.

Es ist gut möglich, dass man am Samstag einiges mehr über das Können oder Nicht-Können des Michael Rensing hinzulernen kann. Dann treffen die Bayern auf Werder Bremen. Und die Hanseaten haben in Person von Diego und Torsten Frings zwei äußerst versierte Distanzschützen, wie sie am vergangenen Wochenende mit ihren spektakulären Toren gegen Cottbus bewiesen haben. Doch Rensing sagt, er werde sich darauf „überhaupt nicht besonders vorbereiten“. Besonders wichtig sei schließlich auch die Arbeit seiner Vorderleute: „Wir müssen die Bremer rechtzeitig stellen, wir dürfen ihnen nicht zu viel Platz lassen.“ Und regnen sollte es möglichst auch nicht.

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