Michael Schumacher : Ein Alter zwischen jungen Löwen

Was Italiens Presse zum Comeback schreibt.

Paul Kreiner

Rom Italiens Zeitungen hatten am Donnerstag die Qual der Wahl: Welche Schlagzeile sollten sie auf die Seite eins setzen? Die zweite Goldmedaille von Weltklasse-Schwimmerin Federica Pellegrini bei der WM in Rom war eigentlich Pflicht. Sie ist schön, blond, hochgewachsen. Das zählt in Italien. Und die Athletin verkündete ja: „Ohne falsche Bescheidenheit: Dass ich Italiens größte Sportlerin aller Zeiten bin, das denke ich schon seit einigen Weltrekorden.“ Aber da war noch Michael Schumacher, der siebenmalige Formel-1-Weltmeister.

Alle Zeitungen entschließen sich deshalb, zwei gleich große Schlagzeilen zu machen: eine über Pellegrini, die andere über Schumacher. „Spektakulär: Schumi riskiert alles“, schreibt „La Repubblica“. Und: „Diese Aufsehen erregende und als Hilfe für Ferrari zweifellos großzügige Rückkehr kann der Karriere des Deutschen einiges hinzufügen, ihm aber auch vieles nehmen.“ Für Schumacher sei „das Risiko extrem hoch“, befindet Italiens größte Tageszeitung. „So viele junge Löwen“, und Schumi „doppelt so alt“.

Schumacher, schreiben männliche Kommentatoren quasi mitfühlend-bedauernd, habe es als braver Familienvater zu Hause nicht mehr ausgehalten: Fernsehgucken? Ausreiten mit seiner Ehefrau? „Dem fehlte entschieden das Adrenalin“, schreiben viele. Die Turiner Tageszeitung „La Stampa“, die wie Ferrari dem Fiat-Konzern gehört, argumentiert psychologisch. Schumacher, der bisher so technisch kalt gewesen sei, offenbare in der Not nun „ein menschliches Gesicht, eine menschliche Schwäche, die einen Mann erst zum Mythos macht“.

Die „Gazzetta dello Sport“ schreibt, Schumacher kenne den neuen Ferrari nicht und dürfe ihn vor dem Rennen in Valencia auch nicht testen; er kenne die Piste von Valencia nicht, und zu seiner Zeit habe es Hamilton und Vettel nicht gegeben. Aber die Sponsoren seien zufrieden, die krisengeschüttelte Formel 1 auch: „Da machen jetzt alle ein Geschäft.“ Und wenn es selbst Schumacher nicht gelinge, Ferrari wieder aufs Podest zu fahren, dann sei „endgültig die These bestätigt, dass Ferrari nach Todt und Brawn nicht mehr in der Lage ist, Gewinner-Autos zu bauen“.

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