Sport : Michael Schumacher: Ein Dirigent aus Kerpen

Benedikt Voigt

Es hat in den letzten Tagen einige Irritationen im deutsch-italienischen Verhältnis gegeben, verschuldet durch Herrn Michael Schumacher, wohnhaft in Vufflens-le-Chateau, Schweiz. Der Herr, der einen deutschen Pass besitzt und für den italienischen Rennstall Ferrari Auto fährt, besitzt die Unverschämtheit, noch nie einen ausgegeben und keine Freunde zu haben. Zu allem Überfluss soll er auch noch nie ein Buch gelesen haben. Behauptet jedenfalls die italienische Zeitung "Il Messaggero". Weil diese Vorwürfe schwer wiegen, nahm sich die "Bild"-Zeitung diesem Problem an. Und kam zu einem ganz anderen Ergebnis. Herr Schumacher gibt zu Weihnachten gerne Uhren aus, seine Freunde heißen Heribert und Peter und im letzten Urlaub hat er nicht nur ein Buch gelesen, sondern zwei. Auch der ehemalige Bayern-Trainer Giovanni Trapattoni spricht ihn von aller Schuld frei: "Längst hat dieser außergewöhnliche Sportler die Sympathien der Italiener gewonnen." Doch es gibt noch ein Problem.

Michael Schumacher dirigiert die italienische Hymne mit dem Zeigefinger mit. So mancher Italiener findet das respektlos. Aber so ist der Deutsche, speziell der Kerpener. Er stammt aus dem Volke Bachs und Beethovens und möchte die Musik mit dem Zeigefinger ebenso kontrollieren wie ein Rennauto mit 850 Pferdestärken. Das Mitsingen überlässt er lieber Luciano Pavarotti. Außerdem hätte Schumacher beim Mitträllern noch seine Schwierigkeiten mit der Sprache, er spricht noch nicht fließend Italienisch. Und daraus lässt sich der härteste Vorwurf ableiten, den man Michael Schumacher in Italien machen kann: Er ist kein Italiener.

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