• Michael Schumacher ist auch mit Platz fünf in Barcelona zufrieden und versöhnt sich mit seinem Bruder Ralf

Sport : Michael Schumacher ist auch mit Platz fünf in Barcelona zufrieden und versöhnt sich mit seinem Bruder Ralf

Karin Sturm

Eine Panne macht noch keinen Verlierer und eine ganze Pannenserie noch keinen unzufriedenen Michael Schumacher. Der Mann im roten Ferrari steckte die Anhäufung von Missgeschicken beim Großen Preis von Spanien in Barcelona gelassen weg. Mechaniker umgefahren, überlange Wartepause in der Box, dazu einen defekter Reifen - die Summe all dessen führte Schumacher nur auf Platz fünf, um gerade zwei Punkte wuchs sein Konto in der WM-Gesamtwertung der Formel 1. Das ist eigentlich wenig für einen Michael Schumacher, aber genug für einen souveränen WM-Spitzenreiter, der immer noch 14 Punkte mehr hat als Mika Häkkinen, der Weltmeister und Sieger von Barcelona. "Ich weiss ja, dass irgendwann bei jedem etwas schief geht", sagte ein gut gelaunter Schumacher. "Diesmal hat es halt mich erwischt."

Im Nachhinein stellte sich heraus, dass die Probleme beim zweiten Tankstopp nicht nur auf die Unerfahrenheit des Ferrari-Mechanikers zurückzuführen waren, der den vorher beim ersten Stopp verletzen Chefmechaniker Nigel Stepney am Tankschlauch ersetzte. Auch der Tankstutzen selbst hatte einen Defekt und ließ sich deshalb nicht schnell aufsetzen. Möglicherweise hatte genau deswegen auch Stepney beim ersten Mal Schwierigkeiten gehabt, ihn so schnell wie üblich abzuziehen. Und dann war da auch noch der "schleichende Plattfuß": ein Reifen, dem langsam, aber stetig die Luft entwich.

Schumacher selbst hatte den Reifendefekt während des Rennens nicht genau definieren können: "Das Problem habe ich nur bemerkt, weil das Auto anfing, immer mehr zu untersteuern. Von der Box aus hat man mir immer nur gesagt, ich solle reinkommen - aber die Mechaniker hatten auch keine wirkliche Idee, wo das Problem liegen könnte. Deshalb bin ich erst mal draußen geblieben - denn warum soll ich reinkommen, wenn man nicht weiß, was zu tun ist." Erst sehr spät habe man den wahren Grund erkannt: "Gerade, als ich in dem Positionskampf mit meinem Bruder war, hat man mir über Funk gesagt, dass ich einen schleichenden Plattfuß habe. Da bin ich dann natürlich sofort reingekommen." Gerade noch rechtzeitig. Denn zu diesem Zeitpunkt war der Reifendruck links hinten bereits bis auf die Hälfte gesunken, "noch eine Runde, und der Reifen wäre wahrscheinlich explodiert".

Ferraris Technik-Chef Ross Brawn bestätigte Schumacher: "Da hast du bei allem Pech noch Glück gehabt." Dass er zum Zeitpunkt des familieninternen Duells noch gar nichts von seinem notwendigen Boxenstopp wusste, hat Michael Schumacher dann auch seinem Bruder Ralf erklärt - als die beiden sich zum Versöhnungsgespräch nach dem Bruderkrach in der 50. Runde von Barcelona trafen. "Ralf hat den Zweikampf gesucht, da kann ich nicht einfach nachgeben" - so schilderte Michael Schumacher das Rad-an-Rad-Duell, das Rubens Barrichello nutzte, um sich vorbei am "kleinen Schumacher" auf Rang drei zu schieben.

All das fand Ralf Schumacher gar nicht lustig. Es dauerte einige Zeit und ein, zwei Biere, bis die Welt für die Brüder wieder anders aussah. Da flachsten sie wieder miteinander und flogen gemeinsam mit dem Helikopter zum Flughafen. Ärger in der Familie kann Michael Schumacher im Moment am allerwenigsten brauchen. Druck bekommt er schon genug aus anderer Richtung: "Jetzt geht das Rennen um die WM erst richtig los", meinte Mika Häkkinen nach seinem ersten Saisonsieg 2000 - und sagte Schumacher damit im Titelrennen den Kampf an. "Es war schon wirklich eine sehr lange Zeit, seit ich das letzte Mal gewonnen habe." Das war im vergangenen Jahr, in Suzuka, beim letzten Rennen der Saison 1999.Ferrari im Internet

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