Michael Tarnat : Führungsspieler ohne Starallüren

Mit 38 Jahren gehört Michael Tarnat zu den Fußballer-Urgesteinen. Dennoch ist das Alter kein Thema für den ältesten Feldspieler der Liga. Nach Ende der Saison will der Profi Schluss machen und wieder zu den Bayern wechseln.

Peter Hübner
Michael Tarnat
Michael Tarnat: 38 und kein bisschen müde. -Foto: ddp

HannoverZum 38. Geburtstag gab es ein Ständchen von den Jungs. So nennt Michael Tarnat seine Kollegen bei Hannover 96. Die ließen den ältesten Feldspieler der Fußball-Bundesliga am vorigen Freitag auf der Rückreise vom Auswärtsspiel in Frankfurt hoch leben. "Das war sehr ansprechend", lobte Tarnat die Gesangskünste. Sein Alter ist für ihn kein großes Thema. "In der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL gibt es Profis, die sind 42 oder 43 und machen viel mehr Spiele als ich", argumentiert der Routinier, der bei den Niedersachsen einen Stammplatz als Linksverteidiger hat.

Ein Patentrezept, wie man auch im vorgerückten Fußball-Alter gegen wesentlich jüngere Stürmer bestehen kann, hat Tarnat nicht. "Wichtig ist der Spaß am Fußball. Wenn ich mal im Auto sitze und merke, du hast keine Lust, dann ist es vorbei", erklärte der 19-malige Nationalspieler. Davon kann noch keine Rede sein, auch wenn es mehr zwickt und zwackt als vor zehn Jahren. "Prellungen und kleinere Verletzungen erfordern schon längere Regenerationsphasen als früher", bekennt der Profi, dessen harte Distanzschüsse bei allen Torhütern gefürchtet sind.

Führungsspieler ohne Kapitänsrolle

1990 begann seine Bundesliga-Karriere beim MSV Duisburg. 2004 holte ihn sein ehemaliger Mitspieler und Trainer Ewald Lienen zu Hannover 96. "Er ist ein absoluter Führungsspieler", lobt 96-Coach Dieter Hecking den Routinier. Trotz seiner großen Erfahrung ist der langjährige Bayern-Profi weder Kapitän noch Mitglied im 96-Mannschaftsrat. "Die jüngeren Spieler sollen mehr Verantwortung übernehmen. Und ich glaube, das ist so auch gut", erläutert Tarnat seine Gründe, in diesem Fall eine Führungsrolle abzulehnen.

Nicht nur in Hannover, wo er unlängst sogar seinen Bernhardiner "Rüdiger" zum Training mitbringen durfte, genießt Tarnat große Wertschätzung. Bayern-Manager Uli Hoeneß hat ihm schon vor Jahren einen Job als Scout beim Rekordmeister angeboten. "Ich gehe davon aus, dass das Wort gilt", sagt der Fußball-Oldie. Im Sommer 2008 soll endgültig Schluss auf dem Platz sein. Die Rückkehr nach München ist fest eingeplant.

Aber bereits zwei Mal konnten ihn seine Frau und sein Sohn zur Freude der 96-Führung und der Fans überreden, noch ein Jahr in Hannover dranzuhängen. "Diesmal wäre mein Hund dran. Aber der kann nicht sprechen", scherzte der Profi. Und wenn Rüdiger drei Mal bellt? "Dann bleibe ich bei meiner Meinung", sagte Tarnat. (mit dpa)

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