Sport : Michalczewski - Lakatus: Prügel zum Geburtstag

Mit einem schweren K. o. für seinen Gegner hatte Box-Weltmeister Dariusz Michalczewski den ersten Teil seiner Geburtstagsparty am Samstag in Braunschweig beendet. Doch ein rauschendes Fest war es nicht. So viel Schläge hatte der Titelverteidiger in einem WM-Kampf schon lange nicht mehr einstecken müssen. 8500 Zuschauern in der ausverkauften Braunschweiger Volkswagen-Halle stockte der Atem, als der in Spanien lebende Rumäne Venti Alejandro Lakatus dem Jubilar an dessen 33. Geburtstag vor allem in den ersten drei Runden schmerzhafte Geschenke überbrachte. In der neunten Runde fand sich der mutige Herausforderer jedoch erstmals im Ringstaub wieder. Noch benommen von der Schlagwirkung wurde er wenige Sekunden später von einer krachenden Linken so schwer am Kinn getroffen, dass er wie ein gefällter Baum umklappte und dabei mit dem Hinterkopf aufschlug. Die Ringärzte mussten sich mehrere Minuten bemühen, um Lakatus wieder auf die Beine zu stellen.

"Ich war zu statisch, zu verkrampft, habe zu sehr auf Sicherheitgeboxt. Mir fehlte das Distanzgefühl, deshalb ist mein Jab nicht gekommen", sagte der Halbschwergewichts-Weltmeister nach Version der World Boxing Organization (WBO). "Ich wollte an meinem Geburtstag super aussehen. Das hat nicht geklappt." "Das war ein bisschen viel Stress mit seinem Geburtstag. Er war nicht richtig bei der Sache", kritisierte Trainer Fritz Sdunek seinen Schützling.

Der Coach, gestand Michalczewski, habe ihn nach der dritte Runde gerüttelt und gefragt: "Was machst du da?" Erst als er seine als effektivste Waffe gefürchtete Linke in der achten Runde einsetzte, zerstörte er alle vagen Hoffnungen des Herausforderers. "Mir fehlt noch die Erfahrung", entschuldigte sich der 27 Jahre alte Lakatus, der in seinem 17. Profi-Kampf die erste Niederlage hinnehmen musste. "Ich bin noch nie so zu Boden gegangen", stöhnte der Rumäne. Michalczewski feierte seinen 21. WM-Sieg im 44. ungeschlagenen Kampf. 37 davon beendete er vorzeitig.

Promoter Klaus-Peter Kohl arbeitet weiter an dem seit zwei Jahren geforderten Duell mit Dreifach-Weltmeister Roy Jones (USA). "Es hängt noch am Geld", sagte der Chef der Hamburger Universum Box-Promotion. "Aber bis Ende des Jahres wird es was, da bin ich sicher." Doch zunächst muss Michalczewski noch eine weitere Hürde nehmen. Im Juni oder Juli sollen seine Stallgefährte Thomas Ullrich und Graciano Rocchigiani in der Berliner Max-Schmeling-Halle ein Herausforderer-Duell bestreiten, um den nächsten Rivalen für den "Tiger" zu bestimmen. Augenblicklich hat Michalczewski andere Sorgen. "Mittwoch fliege ich nach Singapur. Dort läuft mein Rennpferd."

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