Sport : Micho und die Liebe

Bayerns Demichelis überzeugt, will aber weg

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Er sagte es den Fernsehsendern, er sagte es den Zeitungsreportern – und dann auch dem kleinen Grüppchen spanischsprachiger Journalisten: „Quiero mucho al Bayern.“ – „Ich liebe den FC Bayern.“ Als Melodramatiker ist Martin Demichelis nach dem Weggang von Lucio („Wir sind Gefangene der Kälte“) in München die Nummer eins. Und am Freitagabend hatte der Argentinier guten Grund, seine Neigung auszuleben.

Von Louis van Gaal vor der Saison zum Ersatzmann degradiert, kurz vor dem ersten Spiel aus dem Kader gestrichen, in Dortmund eingewechselt und mit Fehlern, wo man nur Fehler machen kann: Diese Saison war ein wahrer Alptraum für Demichelis. Am Freitag rutschte er in die Startelf, weil Holger Badstuber kurzfristig ausfiel – und spielte ausgezeichnet. Sein Kopfball nach Ecke von Danijel Pranjic brachte das 1:0 und öffnete den Bayern den Weg zum 4:2-Sieg gegen Freiburg. Pranjic bereitete auch noch die Treffer von Gomez und Timoschtschuk vor.

Demichelis, Pranjic, Timoschtschuk – die Nebendarsteller aus van Gaals Ensemble prägten diesmal die Aufführung. Doch der Trainer blieb ungerührt. „Natürlich freue ich mich für Demichelis und Timoschtschuk“, sagte van Gaal knapp. Ansonsten fand er, dass vor allem er selbst mal wieder alles richtig gemacht habe. „Vielleicht können Sie auch sagen, dass ich Demichelis auf dieser Position eine Chance gegeben habe, dass ich ihn bei der Ecke an diese Stelle setze und dass ich bestimmt habe, dass Pranjic die Ecke schießt.“ Zu den Verkaufsspekulationen sagte der Niederländer: „Der Einzige, der gesagt hat, dass Demichelis bleiben soll, war ich. Und ich war der einzige Trainer, der nicht eingekauft hat. Ich habe Vertrauen in meinen Kader.“

Dieser Kader zollt ihm dafür Respekt und Folgsamkeit. Kaum je ist Murren zu vernehmen. „Der Trainer hat mir gesagt, wie die Dinge stehen, und das habe ich akzeptiert, ohne ein schlechtes Wort zu sagen, auch wenn ich mich wie tot gefühlt habe“, sagte Demichelis. Nun aber sieht er den Abschied nahen: „Es war mein erstes Spiel von Anfang an in dieser Saison, und vielleicht auch mein letztes.“ In zwei bis drei Wochen komme sein Manager, um mit den Bayernchefs zu reden. „Nach acht Jahren bei diesem großen Verein ist es schwierig für mich, darauf zu warten, dass ein Kollege an Toren des Gegners schuld ist oder sich verletzt. So, wie es jetzt aussieht, ist es besser für beide Seiten, wenn ich gehe.“ Die Frage ist nur, ob van Gaal das auch so sieht.

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