• Milan findet sich phantastisch AC Mailand steht nach dem Sieg bei Juventus Turin vor dem Titel

Sport : Milan findet sich phantastisch AC Mailand steht nach dem Sieg bei Juventus Turin vor dem Titel

Vincenzo Delle Donne

Turin. Wenn der AC Mailand auswärts so souverän dem Rekordmeister und Titelkonkurrenten Juventus Turin Fußball-Lektionen erteilt, 3:1 gewinnt und die Meisterschaft damit praktisch für sich entscheidet, überschattet das Italiens Wirtschaftsflaute. Und erst recht die politischen Themen im Lande. Dann zählt nur noch der Fußball.

Die Fans von Turin sprechen von einem „Desaster“ und fordern Konsequenzen. Die Sportzeitungen zelebrieren hingegen die „Dramaturgie der Ereignisse“, deren minutiöse Analyse dann die gesamte Fußballnation beschäftigt und viele, viele Emotionen schürt. Während Milans Spieler nach dem Abpfiff schon von der Meisterschaft sprachen, suchten die Gastgeber verzweifelt nach Erklärungen: Die Meisterschaft kann Juve nun wohl vergessen und muss sehen, wie es für die Zukunft einigermaßen unbeschadet aus dieser Katastrophenwoche herauskommt. Erst am Dienstag war der Agnelli-Klub gegen La Coruña aus der Champions League ausgeschieden. Es heißt nun, ein Neuaufbau sei beim amtierenden Meister unerlässlich.

Immerhin einen schwachen Trost hatte Juve selbst zu bieten, die Mannen um Trainer Marcello Lippi hatten verletzungsbedingt ohne sechs Stammspieler auskommen müssen. Dazu kam, dass Superstar Pawel Nedved in einem Formtief steckt.

Den unerwarteten Torreigen für Milan hatte Andrej Schewtschenko eröffnet. „Wir haben noch viele Spiele, aber wir spielen jetzt phantastischen Fußball“, sagte der Ukrainer nach dem Spiel. Der Holländer Clarence Seedorf komplettierte den Milan-Sieg mit seinen beiden Weitschüssen, bei denen Juve-Torwart Gianluigi Buffon chancenlos war. Mit dem brasilianischen Jungstar Kakà, der jetzt von Rivaldo gemanagt wird, bildete Seedorf ein starkes Mittelfeld-Duo.

Erstaunlich zurückhaltend gab sich dafür Milans Trainer Carlo Ancelotti. Eigentlich hat Ancelotti mit dem Sieg sein Image des ewigen Zweiten endgültig abgestreift, und das ausgerechnet dort, wo es gewissermaßen geprägt wurde. In Turin wurde Ancelotti nämlich einst Nachfolger von Marcello Lippi, als dieser zum ersten Mal entlassen wurde. Anderthalb Jahre später wurde er dann wieder entlassen, weil er „nur“ Zweiter wurde. Sein Nachfolger: Lippi. Aber der pausbäckige Trainer zeigte öffentlich keine Genugtuung. „Noch sind wir nicht Meister, aber wir sind nahe dran“, sagte der 45-Jährige nur lapidar und freute sich im Stillen.

Zuletzt war Ancelotti von Klubpräsident Silvio Berlusconi höchstpersönlich gescholten worden. Öffentlich ordnete ihm der Ministerpräsident an, stets mit zwei Angriffsspitzen zu spielen. Eine Direktive, an die sich Ancelotti seitdem eisern hält.

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