Millionen-Transfers : Volle Taschen, leere Stadien

Chinas Fußball investiert Rekordsummen in Spitzenspieler - der Weg zur Spitzenliga ist aber noch weit. Ein Kommentar.

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Jackson Martinez spielt künftig in China.
Jackson Martinez spielt künftig in China.Foto: dpa

Mit einer Ablösesumme von 42 Millionen Euro ist Jackson Martinez nicht nur der teuerste Fußballer in der Geschichte der chinesischen Super League, er ist (gemeinsam mit dem Brasilianer Ramires) auch der erste seiner Art. Der Art Fußballer, die in der Blüte ihrer Karriere lieber nach Asien wechseln, anstatt weiter in einer der europäischen Topligen zu spielen. Gut, nun ist Martinez schon 29 Jahre alt, bis zu seinem Wechsel im Sommer zu Atletico Madrid hatte seine Formkurve aber Jahr für Jahr nach oben gezeigt. Vor wenigen Monaten war er noch einer der gefragtesten Angreifer auf dem internationalen Transfermarkt gewesen. Kein Wunder also, dass sie in China seine Verpflichtung feiern. Als den Anbruch einer neuen Zeit, in der die Super League beim Werben um die besten Spieler zum ernsten Konkurrenten werden für die etablierten Kräfte aus England, Spanien, Italien oder Deutschland.

Die Zahlungsmoral der Klubs lässt zu wünschen übrig

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. Großzügige Gehälter helfen bei der Entscheidungsfindung immer, auf Dauer werden sie die weltbesten Fußballer aber kaum im Land halten. Vor allem, wenn sie nicht ausgezahlt werden. Didier Drogba oder der frühere Dortmunder Lucas Barrios klagten über die ausbaufähige Zahlungsmoral der chinesischen Klubbosse und zogen nach nur einer Saison weiter. John Jairo Mosquera, früher beim 1. FC Union Berlin, hielt es nur wenige Monate aus – unter anderem aus dem gleichen Grund wie Drogba und Barrios.

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Transfer-Wahnsinn in China: Martinez für 42 Mio. nach Guangzhou

Auch Korruptionsvorwürfe und mangelndes Zuschauerinteresse schadeten der Liga. In der Saison 2014 lag der Besucherschnitt nur bei knapp 19 000 Fans. Es soll auch noch Fußballer geben, denen bei leeren Stadien auf Dauer die Lust vergeht. Ein anderes Problem könnte die sportliche Kluft werden – national wie international. In den vergangenen fünf Jahren wurde immer Guangzhou Evergrande Meister, zuletzt holte der Klub auch die asiatische Champions League. Sollte Guangzhou weiter so investieren, steht auch in diesem Wettbewerb eine Siegesserie an. Konkurrenz ist auf dem Kontinent nicht in Sicht. Spieler mit Nationalmannschaftsambitionen könnte der mangelnde Wettbewerb auch in Zukunft abschrecken. Aber gerade auf die haben es die Chinesen ja abgesehen.

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