Sport : Mirakulöse Heimkehr

Alba Berlin krönt seine Rückkehr in die Schmeling-Halle mit einer tollen Aufholjagd und dem Einzug in die Eurocup-Zwischenrunde.

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Ein Dunking zum Schluss. Leon Radosevic feierte ein triumphales Comeback.Foto: Imago
Ein Dunking zum Schluss. Leon Radosevic feierte ein triumphales Comeback.Foto: ImagoFoto: imago sportfotodienst

Berlin - Auf dem Parkett tanzten die Spieler, auf den Rängen lagen sich die Fans in den Armen, alle zusammen gaben den klassischen Dreiklang von Humba, Humba und Täterä zum Besten. Ein paar Meter weiter, am Spielfeldrand, verzog Mithat Demirel keine Miene. Gerade hatte seine Mannschaft Virtus Rom nach sensationeller Aufholjagd mit 84:81 niedergerungen, war vorzeitig in die Eurocup-Zwischenrunde eingezogen und hatte eine mirakulöse Heimkehr in die Max-Schmeling-Halle gefeiert. Zufrieden wirkte Albas Sportdirektor trotzdem nicht. „Wir müssen unsere Emotionen besser kontrollieren“, sagte Demirel, ohne Spur von Humba in der Stimme. „Das ist uns 35 Minuten nicht gelungen.“

Nach besagten 35 Spielminuten hatten die Berliner 64:76 zurückgelegen, erst eine mitreißende Schlussphase verhalf Alba gegen den italienischen Vizemeister zum Sieg. Zuvor hatte die Mannschaft von Trainer Sasa Obradovic gerackert, sich dabei aber mit ihrem Übereifer selbst im Weg gestanden. Gleich mehrmals erkämpfte sich beispielsweise Akeem Vargas mit großem Einsatz den Ball, um ihn dann auf der Gegenseite durch eine überhastete Aktion wieder beim Gegner abzuliefern. Nach dem Spiel konnte Vargas kaum laufen, so viele Bodychecks hatte er eingesteckt. „Eigentlich hätten wir zur Halbzeit mit 15 Punkten führen müssen“, sagte Obradovic. Aber weil die Römer, an diesem Abend selbst keineswegs frei von Fehlern, die Hektik der Berliner geschickt ausnutzten, lag Alba zur Pause mit einem Punkt zurück. Kurz darauf schien das Spiel bei einem Rückstand von zwölf Zählern sogar schon verloren.

Umso größer war der Jubel darüber, dass es doch noch zu einem Sieg gereicht hatte. „Die Spieler waren glücklich, als sie in die Kabine gekommen sind“, berichtete Albas Geschäftsführer Marco Baldi. „Die haben sich nicht nur über einen Sieg gefreut – die waren richtig glücklich.“ Mit ihrer spielerischen Leistung waren die Berliner allerdings keineswegs zufrieden. „Wir haben eigentlich nur gebissen, das ganze Spiel über“, sagte Baldi. „Und dann haben wir es gedreht, mit ganz viel Herz.“ Das Spiel mit Herz scheint tatsächlich eine Stärke dieser Alba-Mannschaft zu sein – und ihre Schwäche. „Dieses Team hat ein Problem, mit Niederlagen umzugehen. Da fehlt es immer noch an Selbstverständlichkeit und Überzeugung“, sagte Baldi. Die Mannschaft reagiere auch zu emotional, wenn der Gegner einen Lauf hinlegt. „Aber besser man hat Herz, und dimmt es ein bisschen runter, als andersherum“, sagte Baldi. „Künstlich das Herz hochpushen – das geht nicht.“

Den vielleicht schönsten Abend hatte Leon Radosevic. Der Kroate feierte nach sechswöchiger Verletzungspause ein triumphales Comeback, in dem er schwach begann und am Ende mit 14 Punkten zweitbester Berliner Werfer nach Reggie Redding (20) war. Radosevic blieb es auch vorbehalten, wenige Sekunden vor der Schlusssirene den 84:81-Endstand mit einem Dunking herzustellen.

Das Publikum tobte, die Alba-Verantwortlichen schlugen eher die Hände über dem Kopf zusammen. Basketballtaktisch schlauer wäre es gewesen, nicht den Korbabschluss zu suchen, sondern einfach die Uhr zu Ende ticken zu lassen. Mit einem Zufallstreffer hätten die Römer nun noch einmal den Ausgleich erzielen können – doch sie verloren wieder den Ball. „Eigentlich müsste man Leon dafür die Ohren lang ziehen“, sagte Baldi. Aber vor der Schmeling-Halle warteten die Fans trotz des Sturms immer noch auf ihre Helden, für Strafmaßnahmen war es vielleicht doch nicht der richtige Abend. Lars Spannagel

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