Mirko Slomka trifft auf Hannover 96 : Wiedersehen mit dem Gute-Laune-Onkel

Am Samstag kehrt Mirko Slomka als Trainer des Hamburger SV an seine alte Wirkungsstätte zurück – und könnte die Krise bei Hannover 96 verschärfen.

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Begabter Selbstdarsteller. Vier Jahre lang war Slomka Trainer in Hannover, jetzt gilt seine ganze Arbeit und Zuneigung dem Hamburger SV. Foto: Imago/Ulmer
Begabter Selbstdarsteller. Vier Jahre lang war Slomka Trainer in Hannover, jetzt gilt seine ganze Arbeit und Zuneigung dem...Foto: Imago/Ulmer

Das schöne Liedchen „Alte Liebe“ darf nie fehlen. Es gehört zur Tradition von Hannover 96, dass die inoffizielle Vereinshymne Vorfreude auf möglichst schönen Fußball schürt. „Wir danken dir, du hast uns viel gegeben“ – melodramatische Zeilen wie diese könnten am heutigen Sonnabend (15.30 Uhr) so manchem 96-Anhänger aber schwer über die Lippen gehen. Dann wird ein gewisser Mirko Slomka auf der gegnerischen Trainerbank sitzen. Vier Jahre lang war der 46-Jährige Chefcoach in Hannover, ehe er Ende 2013 mangels Erfolg entlassen wurde. Nun kehrt er als aktueller Trainer des Hamburger SV in einer neuen Rolle zurück, die nicht jedem behagt. „Es ist kein normales Spiel“, gesteht Slomka. Er muss mit seiner aktuellen Liebe gegen seine verflossene antreten.

Wie sinnvoll es war, einen mehrheitlich erfolgreichen, aber auch ziemlich selbstverliebten Trainer zu entlassen – diese Frage wird an Hannovers Stammtischen leidenschaftlich diskutiert. Martin Kind, der mächtige und meistens im Alleingang entscheidende 96-Präsident, hat mit Tayfun Korkut einem Novizen der Bundesliga das Vertrauen geschenkt.

Die Inthronisierung des neuen Trainers war mit einer Demontage seines Vorgängers verbunden, die mit bundesweiten Schlagzeilen einherging. Jetzt läuft Kind Gefahr, die Quittung für sein hartes Handeln zu bekommen. Unter der Regie des eher kleinlauten Korkut ist Hannover tief in den Abstiegskampf gerutscht. Dass ausgerechnet Slomka als des Gegners Trainer die Krise verstärken könnte, klingt kurios und wahrscheinlich zugleich. „Ich kenne sie alle in- und auswendig“, sagt Slomka über jene Spieler, die bis vor kurzem noch von ihm angeleitet wurden und nun von ihm besiegt werden sollen.

Mirko Slomka gibt sich vor den Kameras gern galant

Eigentlich, das hat er hunderte Male betont, gehört 96 seine ganze Sympathie. Slomka ist in Hannover groß geworden, hat dort studiert und sich als Nachwuchstrainer an den bezahlten Sport herangetastet. Bei seiner Vorstellung als neuer HSV-Trainer Mitte Februar war er aber gleich im kurzärmeligen Trikot seines neuen Arbeitgebers ins Rampenlicht getreten und hatte im Grunde eine ähnliche Vorführung wie zuvor in Hannover gegeben. Meine Stadt, mein Verein, meine Herzensangelegenheit: Wahrscheinlich ist es immer eine ähnliche Platte, die Deutschlands Fußballtrainer auflegen müssen, wenn sie sich einem neuen Verein anschließen. Aber Slomka ist eben ein besonders begabter Selbstdarsteller. Wer ihm lange genug zuhört, läuft irgendwann Gefahr zu vergessen, dass sich seine Kritikfähigkeit in Grenzen hält und er hinter den Kulissen gar nicht so galant auftritt wie vor den Fernsehkameras.

Die Angst von Hannover 96, ausgerechnet beim Wiedersehen mit Slomka zu verkrampfen, ist deutlich spürbar. „Wir sind in der Bringschuld“, sagt Korkut, der am Freitag von Martin Kind eine Jobgarantie bis Saisonende erhielt. Die Euphorie rund um den 40-Jährigen, dessen Methoden zunächst so viel moderner und solidarischer als die seines Vorgängers gewirkt haben, ist verflogen. Eigentlich sind Korkut und Slomka gut befreundet. Im Duell zwischen Hannover und Hamburg geht es aber auch um die pikante Fragestellung, ob der eine wirklich besser ist als der andere. Angesichts der guten Laune, die zum hanseatischen HSV zurückgekehrt ist und des aktuellen Stimmungstiefs beim niedersächsischen HSV bleibt festzuhalten: Als Motivator und Gute-Laune-Onkel des Profifußballs ist Slomka gegenüber Korkut deutlich im Vorteil.

Alles hat ein Ende, nur der HSV hat keins
Am 11. Januar 1963 präsentierte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) 16 Vereine, die der Verband anhand sportlicher und im Zweifelsfall auch nicht sportlicher Kriterien für seine erste Bundesliga-Saison auserkoren hatte. Seitdem gibt es ein Kommen und Gehen. Nach 51 Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit steht in dieser Spielzeit mit dem Hamburger SV nun auch der letzte Verein aus Gründungstagen vor seinem ersten Abstieg. Fünf Spieltage vor Saisonende steht die Mannschaft um Kapitän Raffael van der Vaart (Bild) nur auf dem Relegationsplatz. Lesen Sie an dieser Stelle, in welchen Jahren und unter welchen Umständen es die anderen 15 Klubs erwischte. Foto: ImagoWeitere Bilder anzeigen
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