Mirko Slomka unter Druck : Neue Spieler, alte Sorgen beim HSV

Beim HSV steht Mirko Slomka nach dem Fehlstart mit nur einem Punkt aus zwei Spielen gegen die beiden Aufsteiger aus Köln und Paderborn bereits wieder unter Druck.

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Mirko Slomka hat seinen Retternimbus aufgebraucht und steht mittlerweile eher symbolisch für den fehlenden Erfolg beim HSV.
Mirko Slomka hat seinen Retternimbus aufgebraucht und steht mittlerweile eher symbolisch für den fehlenden Erfolg beim HSV.Foto: dpa

Manchmal kann es eine Hilfe sein, sich gleich wieder in die Arbeit zu stürzen; Arbeit verarbeitet, heißt es ja. Für Dietmar Beiersdorfer ging die Verarbeitung des schlimmen 0:3 gegen den SC Paderborn am Samstag direkt nach dem Spiel los und zog sich in den Wochenanfang. Es galt, neue Spieler auszuleihen, um diesem offenbar gelähmten, verängstigten HSV neues Leben einzuhauchen.

Der Vorsitzende der HSV AG wirkte am Montag wieder etwas kämpferischer als noch zwei Tage zuvor, als die Fans die Mannschaft aus dem Stadion gepfiffen hatten. In Lewis Holtby war da ein Profi zu letzten Untersuchungen in Hamburg, der als ballsicherer Mittelfeldspieler sofort weiterhelfen könnte. Holtby war in Tottenham aussortiert worden und soll vom Hamburger SV ausgeliehen werden. Eine Soforthilfe dürfte Julian Green als Offensiv-Allrounder noch nicht sein – der 19-Jährige kommt als Leihspieler vom FC Bayern und verlängert die Liste der neuen Profis auf sieben.

Beiersdorfer werkelt also weiter munter am Kader. Neu ist, dass er Trainer Mirko Slomka stark in die Pflicht nimmt. Beiersdorfer sagte „Bild“: „Ich will nicht in neue Spieler flüchten. Aber man hat gesehen, dass die Mannschaft in Teilen verändert werden muss. Wir müssen unsere Überlegungen fortsetzen. Da ist auch der Trainer gefordert.“ Im Klartext bedeutet das, dass der seit April mit dem HSV sieglose Mirko Slomka in der Länderspielpause eine neue Mannschaft bauen muss. Gegen Paderborn spielte mit Ausnahme Valon Behramis die Elf, die sich zum Abschluss der letzten Serie über die Relegation rettete.

Zum Spiel in Hannover am 14. September könnten Cleber, Ostrzolek, Holtby und Nicolai Müller zu Behrami stoßen. Dann liefe ein wirklich neuer HSV auf, einer, der die Lasten der Vorsaison vielleicht abstreift. Und während auf Heiko Westermann, Marcell Jansen und Tolgay Arslan wohl die Bank wartet, versucht sich Milan Badelj ab sofort beim AC Florenz. Für die Ablösesumme von vier Millionen Euro verkaufte Beiersdorfer den lethargischen Kroaten nach Italien.

Alles neu also beim HSV, alt dabei die Hoffnung, Slomka werde seinen guten Ruf doch nicht in ein paar Monaten Hamburg ruinieren. Auf der Kippe steht der Coach noch nicht, weil sich Beiersdorfer einen ruhigen, einen „normalen“ HSV wünscht, der nicht sofort den Trainer feuert. Dürftig genug ist Slomkas Bilanz – drei Siege, drei Remis, neun Niederlagen sind es saisonübergreifend. Eine Bilanz, die beim HSV normalerweise in der Entlassung gipfelt.

Beiersdorfers sehnlichster Wunsch inmitten der großen Renovierungen ist eine sorgenfreie Saison. Das ist der Auftrag für Slomka: ein Mittelfeldplatz, von dem aus man wieder angreifen kann. Es ist dabei kein Geheimnis, dass sich Beiersdorfer diese Attacke ab 2015 durchaus mit einem anderen Coach vorstellen kann, ob er Thomas Tuchel heißt oder anders. Niemand beim HSV will die Diskussion um Slomka. Er soll schließlich das Übergangsjahr moderieren.

Jedoch wachsen die Zweifel an seinen Fähigkeiten als Cheftrainer, weil man keine Entwicklung bei der Mannschaft sieht. Dass nominell schwächere Gegner ständig eine bessere Spielanlage vorweisen als der HSV, hat Slomkas Weste befleckt. Sicher, er hat die fehlende Spielidee von Bert van Marwijk und Thorsten Fink geerbt. Aber inzwischen ist Slomka ein halbes Jahr in Hamburg, eine wirkliche Verbesserung ist nicht zu sehen. Mirko Slomka hat jetzt zwei Wochen Zeit, mit den Neuen zu arbeiten, und es dann in Hannover, gegen die Bayern, in Gladbach und gegen Frankfurt besser zu machen. Nach Lage der Dinge könnte die Partie gegen die Eintracht sein Endspiel sein.

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