Miroslav Klose : Deutschlands Gesicht

Miro Klose sieht aus, als könnte er kein Wässerchen trüben. Doch in den Anschein der Arglosigkeit mischt sich bei genauerer Betrachtung auch Traurigkeit, Enttäuschung - und ein Gran unterdrückter Wut. Kurzum: Er sieht aus wie ein Deutscher.

Prof. Dr. Klaus Hansen
Klose
Schicksalsergeben, gefährlich, häuslich: Nationalstürmer Miroslav Klose. -Foto: ddp

Berlin"Es war sehr schmerzvoll, aber ich habe kaum etwas gespürt."
(Miroslav Klose)

Manchmal schlägt er aus purem Übermut einen Salto. Manchmal bekreuzigt er sich still. Sein Gesicht ist immer dasselbe: ein Massengrab totgeschlagener Wünsche. Der ganze Kerl: ein Ritter von der traurigen Gestalt. "Er sieht nicht gefährlich aus", sagt ein alter Weggefährte über Mittelstürmer Klose, "aber er ist gefährlich, brandgefährlich sogar." Die Frage drängt sich auf: Ist Torjäger Klose das Gesicht Deutschlands? Auch die Deutschen sehen nicht gefährlich aus, wenn sie, das Sitzkissen unterm Arm, ins Stadion pilgern, um ein Länderspiel zu sehen. Wehe aber, du bleibst in deiner Sitzschale hocken, wenn sie "Steh auf, wenn du ein Deutscher bist" singen. Dann wird es gefährlich für dich, lebensgefährlich sogar.

Mittelstürmer Klose ist das Gesicht Deutschlands. Auch in anderer Hinsicht. Er ist zum Beispiel sehr häuslich und überlässt in den eigenen vier Wänden seiner Ehefrau das Kommando. "Stimmt es, dass Sie manchmal im Wohnzimmer Fußball spielen?", wurde er vor der WM 2006 gefragt. "Ja, wir haben daheim ziemlich große Lichtschalter", antwortete der Spieler, "manchmal versuche ich, das Licht an- und auszuschießen." Der Reporter hakt nach: "Was sagt Ihre Frau dazu?" Klose gesteht: "Das mache ich nur, wenn meine Frau nicht zu Hause ist." Wo aber ist seine Frau, wenn sie nicht zu Hause ist? Darüber ist in Bremen viel spekuliert worden. Sehr zum Leidwesen des treuen Ehemannes. Bis es den Kloses zu viel wurde und sie nach München flüchteten.


Das Gesicht Deutschlands mag die Medien nicht. Dieser ganze Rummel, das ist nichts für ihn. Unterstellungen, Häme, Intrigen. Wenn Klose "Medien" sagt, klingt das wie "Medchen" oder auch: "Aber die Mädchen gehören nun einmal dazu". Und fügt sich schicksalsergeben den Fragen der Journalisten. Da es in München ganz besonders viele Medien gibt, sollten wir dem Gesicht Deutschlands vielleicht empfehlen, sich ein Vorbild an Paul Janes von Fortuna Düsseldorf zu nehmen, der mit 71 Länderspielen "Rekord-Nationalspieler des Deutschen Reiches" war. Der wusste schon vor Jahrzehnten, wie man die drängelnde Neugier der Medien auskontert.

"Herr Janes", fragte der Radiomann den Verteidiger nach der Weltmeisterschaft 1934, "Sie waren mit der Nationalelf in Italien?"
"Ja."
"Sind Sie mit dem Abschneiden zufrieden?"
"Ja."
"Hätten Sie Weltmeister werden können?"
"Nein."
"Der dritte Platz tut es auch?"
"Ja."
"Wie war es in Italien?"
"Warm."

Paul Janes hatte es in seinem Brotberuf als Maurer nur bis zum Gesellen gebracht. Im verbalen Mauern war ein Meister. (mit freundlicher Genehmigung von 11freunde.de)

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