Miroslav Klose : Spielen statt stänkern

Bundestrainer Löw ist sichtlich genervt von den verbalen Scharmützeln zwischen Miroslav Klose und Torsten Frings. "Die Angelegenheit wird nicht thematisiert", so Löw.

Miroslav Klose
Derzeit Torlos: Miroslav KloseFoto: ddp

Hamburg - Bundestrainer Joachim Löw hat den Konflikt um Miroslav Klose vor dem wichtigen Saisonabschluss gegen die Slowakei zum Tabu-Thema erklärt und verlangt von seinen Spielern absoluten Teamgeist. "Wir müssen uns auf das Spiel konzentrieren, weil wir das Spiel gewinnen wollen", sagte Löw vor der EM-Qualifikationspartie der Nationalmannschaft am Mittwoch (20:30 Uhr/ARD) in Hamburg. Die durch massive Klose-Kritik an Teamkollege Torsten Frings am Dienstag endgültig ins Nationalmannschaftlager geschwappte Debatte um den in der Krise steckenden Bremer Stürmer sollten die entscheidenden Vorbereitungs-Stunden auf das letzte Länderspiel vor der Sommerpause auf keinen Fall beeinträchtigen. "Die Angelegenheit wird nicht thematisiert", sprach Löw ein Machtwort.

Als bedürfe es einer überraschenden Ablenkung vom Krisenherd Klose verriet Löw bei der täglichen Pressekonferenz erstmals in seiner Amtszeit schon am Vortag der Partie seine komplette Aufstellung. Der Bremer Clemens Fritz wird statt Roberto Hilbert (VfB Stuttgart) im rechten Mittelfeld zum Einsatz kommen, um gegen die technisch versierten Slowaken die Defensive zu stärken. Ansonsten vertraut der Bundestrainer der Startformation vom 6:0 gegen San Marino am vergangenen Samstag - also mit dem im Nationaldress seit 271 Spielminuten und neun Monaten torlosen Klose im Angriff neben dem Schalker Kevin Kuranyi.

Klose hält Frings Opportunismus vor

Klose hatte mit Verbalattacken gegen Frings der Diskussion um seine Person selbst noch mehr Brisanz gegeben und den Bremer Konflikt in die Nationalmannschaft getragen. "Wer Torsten kennt, der weiß: Wenn der Wind aus der Richtung kommt, dann äußert er sich so, und wenn er von der anderen Richtung kommt, dann ist es genau das Gegenteil. Das kann sich ja täglich und stündlich ändern", warf der 28-Jährige in einem Interview der "Süddeutschen Zeitung" seinem Kollegen vor. Klose reagierte damit auf Äußerungen von Frings, der ihm unterstellt hatte, keine emotionale Bindung an Werder Bremen mehr zu haben.

Frings zeigte sich von den Vorwürfen äußerlich nicht getroffen und ließ die Angriffe förmlich abprallen. "Ich bin froh, dass der Miro was sagt, dass er mal ein Lebenszeichen von sich gibt. Es ist so viel Mist über ihn geschrieben worden. Ich bin froh, dass er kontra gibt", sagte der Mittelfeldmann. Von Spannungen im Nationalteam wollte Frings nichts wissen. "Man zofft sich halt mal, und dann ist es auch wieder gut", sagte er. Er habe mit dem angeblich vor einem schnellen Wechsel zum FC Bayern München stehenden Klose "ein ganz normales Verhältnis". Er bleibe aber bei seiner Haltung, dass der Sturmkollege wie jeder andere Spieler den Verein verlassen solle, wenn er sich nicht mehr wohl fühle. "Diese Meinung ändere ich auch morgen nicht, auch wenn Miro meint, ich würde das tun", sagte Frings.

"Können nicht immer Topleistung erwarten"

Löw setzt fest darauf, dass das Nationalteam unbeeindruckt von den verbalen Bremer Balgereien die gewohnte Geschlossenheit demonstriert. "Jeder Spieler muss seine Fähigkeiten der Mannschaft zur Verfügung stellen", forderte der 47-Jährige. Ab sofort werde man sich bis zum Abpfiff "jede Stunde mit dem Spiel beschäftigen". Unbedingt will Löw vermeiden, dass sich seine Akteure gedanklich zu früh in den Urlaub verabschieden. "Wir werden eine Mannschaft sehen, die heiß ist, die siegen will", versprach Löw, der nach "einem tollen Jahr" in einem "Appell" vor zu hohen Ansprüchen warnte. "Wir können nicht immer Topleistung erwarten", sagte Löw.

Mit einem weiteren Sieg könnte die in der EM-Ausscheidung noch unbezwungene DFB-Auswahl ihren Vorsprung in der Qualifikationsgruppe D mit dann 19 Punkten auf die Verfolger Tschechien (14) und Irland (13) fast schon entscheidend ausbauen. "Wir können einen großen Schritt in Richtung EM machen", sagte Löw. Zugleich warnte er jedoch vor den als Tabellenvierte schon abgeschlagenen Slowaken (9). "Es wird eine andere Mannschaft sein als beim 4:1 im Hinspiel." Frings versprach kurz vor der Sommerpause vollen Einsatz: "Ich denke, dass es sich lohnt, nochmal alles zu geben. Es ist immer schön, mit einem guten Gefühl in den Urlaub zu fahren."

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