Missbrauch im Sport : Vereine wollen Ehrenamtliche nicht abschrecken

Immer wieder werden Regeln gegen Kinder-Missbrauch im Sport gefordert, doch die Vereine wollen nicht so richtig an das Thema ran, sagt die Geschäftsführerin von Wildwasser e.V.

Benedikt Voigt

BerlinBerlin - Es ist der Alptraum aller Eltern: Sie haben ihr Kind in einen Verein gegeben, damit es einen Sport lernt oder auch nur Spaß mit anderen Kindern hat. Und dann entpuppt sich der kinderfreundliche Trainer als Pädophiler, der seine Schützlinge missbraucht.

Wie der Tagesspiegel berichtete, sind zwölf Fälle von sexuellem Missbrauch allein in der vergangenen Saison im Berliner Fußball-Verband bekannt geworden. Dass so etwas passiert, ist für Iris Hölling keine Überraschung. „Das Thema Sexueller Missbrauch im Sport ist bei uns sehr bekannt“, sagt die Geschäftsführerin des Wildwasser e.V., eines Vereins gegen sexuelle Gewalt gegen Mädchen. Sie höre regelmäßig von derartigen Fällen in unterschiedlichen Sportarten. Ist der Sport sogar mehr von diesem Problem betroffen, weil darin die Körperlichkeit eine größere Rolle spielt als etwa im Musikunterricht? „Ich würde sagen ja, ohne das statistisch beweisen zu können“, sagt Hölling, „die Täter wählen sich Berufe, wo sie leichten Zugang zu Kindern haben.“ So seien Schwimmbäder ein beliebter Ort für Pädophile. Hölling fordert Vereine auf, sich des Themas intensiver anzunehmen, um potenzielle Täter abzuschrecken.

„Doch die Sportvereine und -verbände wollen an das Thema nicht richtig ran“, hat sie festgestellt. Vor Jahren habe ihr Verein eine Aufklärungsaktion mit dem Berliner Landessportbund geplant, aber nicht umsetzen können. Inzwischen müssen Trainer ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen, wenn sie mit Kindern und Jugendlichen arbeiten wollen. Doch weil die Dunkelziffer bei sexuellem Missbrauch hoch ist, kann das nicht immer die Anstellung eines pädophilen Trainers verhindern. Hölling fordert die Vereine auf, ein Konzept zu entwickeln und das Thema bei Neueinstellungen anzusprechen. „Man muss klare Grenzen formulieren, zum Beispiel: Nicht mit den Kindern duschen“, sagt sie, „es schreckt Täter ab, wenn sie merken: Hier werde ich beobachtet.“

Janina Neutze findet das sinnvoll. „Aber die Regeln muss man auch an Konsequenzen koppeln“, sagt die Wissenschaftliche Mitarbeiterin der Charité, die das Pädophilie-Präventionsprojekt „Kein Täter werden“ betreut. Doch Neutze sagt auch: „Ich glaube nicht, dass man Menschen mit sexuellem Interesse an Kindern und Jugendlichen dauerhaft aus Sportvereinen fernhalten kann, weil sie die Nähe zu Kindern und Jugendlichen suchen.“

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