Misserfolgsserie : Drei Gegentore und zwei Rote Karten für Hoffenheim

Herbstmeister Hoffenheim patzt in der Rückrunde weiter. Diesmal verliert das Team 0:3 gegen Bochum und zwei Spieler durch Platzverweis. Darunter den Torwart.

Oliver Trust[Hoffenheim]
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Dreifacher Jubel. Sestak (r.) überwand die Hoffenheimer fast im Alleingang. Foto: dpa

Während sich Ralf Rangnick mühte, nach der bitteren 0:3 (0:1)-Niederlage gegen den VfL Bochum die Ruhe zu bewahren, redete mancher aus seiner Mannschaft nach dem neunten Spiel ohne Sieg und zwei Platzverweisen Klartext. „Man kann von einer Krise reden“, sagte Hoffenheims Mittelfeldspieler Sejad Salihovic. „Jeder sollte für den anderen da sein, das ist derzeit nicht der Fall“, sagte der Bosnier. „Vielleicht denken manche, sie seien Superstars“, polterte der scheidende Kapitän Selim Teber. „Aber sie haben vergessen, dass die Erfolge nur mit der Mannschaft erreicht wurden. Jeder muss für die Mannschaft alles geben und nicht schauen, dass er selbst gut dasteht.“ Es fehle der letzte Wille zum Sieg, das gelte für alle Mannschaftsteile: „Wir müssen endlich aufhören zu träumen. Es wird Zeit, dass jemand auf den Tisch haut.“

Auf dem Rasen jedenfalls zeigte Hoffenheim eines seiner schwächsten Saisonspiele und läuft nun Gefahr, einen Platz im internationalen Geschäft zu verpassen. Mehr als 40 Minuten lang leistete sich der Aufsteiger, der zur Saisonmitte noch auf Platz eins gelegen hatte, in der ersten Hälfte viele Fehlpässe und ein unkonzentriertes Angriffsspiel. Der unsichere Torwart Daniel Haas, der den verletzten Timo Hildebrand vertrat, leitete mit einer zu schwachen Abwehr nach einer Ecke die Festspiele des Stanislav Sestak in der mit 30 000 Zuschauern ausverkauften Rhein-Neckar-Arena ein. Der Slowake schoss alle drei Bochumer Tore und zeigte, warum die Hoffenheimer in der Winterpause versucht hatten, ihn als Ersatz für Vedad Ibisevic zu holen. Sestak musste bleiben und war als Mann des Tages „sehr glücklich über meine drei Tore“. Was sicher auch für seinen Klub galt, der ihn nicht gehen ließ.

Hoffenheim schlug sich so gegen die abstiegsbedrohten Bochumer selbst, wie Andreas Beck meinte. Oder auch die Gegner. Nachdem Sestak zehn Minuten nach Anpfiff der zweiten Halbzeit sein zweites Tor erzielt hatte, verdiente sich Carlos Eduardo nach einem Schlag ins Gesicht von Philipp Bönig seinen dritten Platzverweis innerhalb eines Jahres. Und bevor Sestak das dritte Mal traf, war auch Torwart Haas nicht mehr auf dem Platz. Haas zog nach einer Stunde nach einem „Missverständnis mit Per Nilsson“ (Rangnick) die Notbremse und Schiedsrichter Babak Rafati die zweite Rote Karte. „Das hat uns die Sache leichter gemacht. Wir konnten aus einer Igelsituation kontern und die Sache sehr ruhig runterspielen“, sagte Bochums Trainer Marcel Koller. Bochum vergrößerte den Abstand zu Relegationsplatz 16 auf nun fünf Punkte.

„Das war nach den Platzverweisen kein normales Fußballspiel mehr“, sagte Rangnick, der von einer „Ergebniskrise“ sprach und die schlechte Chancenverwertung in der ersten Hälfte bei drei sehr guten Möglichkeiten bemängelte. „Wir müssen die Mannschaft jetzt aufrichten. Es sind noch sieben Spiele, und wir werden den Spielbetrieb nicht auslaufen lassen“, sagte Rangnick und kündigte an, um einen der vorderen Plätze kämpfen zu wollen. „Aber davon sollten wir derzeit nicht sprechen, wir würden damit nicht ernst genommen werden. Es geht darum, wieder ein Spiel zu gewinnen.“

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