Sport : Mission: Anfeuern und predigen

Max Pribilla

Berlin - Thomas Weber war sieben Jahre alt, als Bob Beamon bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-City 8,90 Meter weit sprang. Weber war schwer beeindruckt. Spitzensportler ist er nicht geworden, 40 Jahre und neun Olympische Spiele nach Beamon aber fährt Thomas Weber trotzdem nach Peking. Als Olympiapfarrer wird er die 750 Athleten und Offiziellen der deutschen Delegation bei den Spielen in China betreuen.

„Ich sehe mich als Seelsorger“, sagt Weber. Wer aber glaubt, dass ein Athlet nach einer Niederlage sofort seine Hilfe in Anspruch nimmt, irrt. „Dass ein Sportler nach einem vierten Platz zum Pfarrer rennt, ist falsch.“ Vielmehr geht es in den Gesprächen „um Gott und die Welt“, sagt der 47-Jährige aus Nordrhein-Westfalen, der schon 2006 bei den Winterspielen in Turin mit dabei war. Zwar kann es vorkommen, dass er nach sportlichen Niederlagen trösten muss, doch auch für private Sorgen hat er ein offenes Ohr. Bei einer Universiade, bei der Weber Mannschaftspfarrer war, gab es einmal einen Todesfall in der Familie eines Athleten. Weber half damals nicht nur mit Worten. Einzelheiten und Namen behält Weber allerdings stets für sich. „Nichts, was mir erzählt wird, gelangt an die Öffentlichkeit“, sagt er. Weber ist kein Missionar, er möchte seinen Glauben niemandem aufdrängen. Dennoch will er im Athletendorf Gottesdienste anbieten. Ihn würde es nicht wundern, wenn auch Sportler der gastgebenden Nation daran interessiert sind: „In China ist der christliche Glaube auf dem Vormarsch.“

Eine besondere Erinnerung im Zusammenhang mit seiner Arbeit mit Sportlern ist für ihn, dass einmal ein deutscher Kampfrichter einer Universiade, der nie eine Verbindung zur Kirche hatte, lange nach der Begegnung mit Weber sein Kind taufen ließ. In Peking will Weber die Sportler aber in erster Linie lauthals anfeuern und dem Medaillenkampf nicht nur mit gefalteten Händen zusehen. Und falls er nicht für alle Sportler Zeit findet, hat er eine Broschüre mit Bibeltexten im Gepäck, aus denen die Athleten Kraft schöpfen sollen. Wie man Menschen Kraft gibt, weiß Weber außerdem durch die Arbeit in seiner Gemeinde in Gevelsberg – die hat sogar 3000 Mitglieder. Max Pribilla

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