Sport : Mission Mitspielen

Die Eisbären starten am Freitag in die neue Saison der Deutschen Eishockey-Liga – mit vorsichtig formulierten Zielen

Claus Vetter

Berlin. Los geht’s. Prima! Oder etwa nicht? Die Herren aus der Chefetage des EHC Eisbären scheinen sich da am Mittwoch bei einer vom Hauptsponsor, der Gasag, einberufenen Konferenz, nicht so sicher. Jetzt soll also über den Saisonbeginn in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) geplaudert werden. Freitag geht es für die Eisbären los, mit dem Heimspiel gegen Aufsteiger Freiburg Wölfe im Sportforum (19 Uhr 30). An sich lässt sich schön darüber parlieren. Saisonziel und so weiter. Doch seitdem die Spieler Yvon Corriveau und Brad Bergen in Schweden wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung in Untersuchungshaft sitzen, wurde selten beim Berliner Klub über etwas anderes geredet als über die beiden Beschuldigten.

Natürlich hoffen Geschäftsführer Detlef Kornett, Trainer Pierre Pagé, Manager Peter John Lee und Marketingchef Billy Flynn am Mittwoch auf Fragen nach Banalem. Und – es sei dem Quartett vergönnt – solche Fragen kommen. Flynn darf fröhlich verbreiten, dass der letzte von vier neuen Sponsoren bei den Eisbären unterschrieben hat. „Siemens“, sagt Flynn. „Ein Großunternehmen also.“ Nach großen Unternehmungen ist auch Pagé zumute. Natürlich, nachdem die Eisbären vergangene Saison bestes Team der DEL-Hauptrunde waren. „Im Geschäftsleben ist es üblich, dass man trotz eines guten Jahres zehn Prozent mehr erwartet“, sagt er. „Die Welt ist nicht fair, sondern hart. Also müssen wir hart sein, um Erfolg zu haben.“

Eine Prämisse, aber kein sportliches Ziel. Das lässt sich laut Pagé nicht genau definieren: „Wer sich jetzt in Mannheim oder Krefeld hinstellt und sagt, er wird Meister, der ist bekloppt.“ Da hat sich doch Butch Goring, Trainer von Meister Krefeld, erdreistet, von der Titelverteidigung zu plappern. Goring und Pagé mögen sich nicht und da sind ja noch die unangenehmen Erinnerungen an das Halbfinale. Pagé erzählt noch mal die traurige Geschichte vom kläglichen Scheitern in den Play-offs gegen Krefeld. Kornett schüttelt den Kopf. Soll illustrieren: Ich kann es immer noch nicht glauben. Klar, keiner erinnert sich gern an Krefeld. Also, Blick voraus: Mission Mittelmaß gilt nicht. „Wir wollen uns in eine Position bringen, aus der wir um den Titel mitspielen können“, sagt Pagé.

Na bitte. Nur die, die ab Freitag mitspielen, sind zu einem großen Teil nicht die, die mitspielen sollten. Neben Corriveau und Bergen fehlen in Persson, Felski und Tomlinson noch drei wichtige Akteure. Kein Problem, wie Lee findet: „Unsere jungen Spieler müssen sich jetzt beweisen“, sagt der Manager.

Die Antwort auf die Stimmungsfrage im Team, sie fällt jedenfalls positiv aus. Am Sonntag gab es einen 6:2-Erfolg im Pokalspiel bei Zweitligist Bad Nauheim. „Die Energie kommt bei den Spielern zurück, und das ist ein gutes Zeichen“, sagt Pagé. Eishockeyalltag kehrt ein bei den Eisbären, auch wenn unklar ist, was in Schweden passiert. Bis zum 9. September sitzen Corriveau und Bergen in Untersuchungshaft. So viel steht fest, alles andere ist Konjunktiv. Vielleicht kommen die beiden frei, vielleicht kommt es zum Prozess. „Natürlich werden wir auch im Falle ihrer Unschuld Fragen an sie haben“, sagt Geschäftsführer Kornett. Eine Entscheidung, ob die suspendierten Spieler – wenn sie können – in den Kader zurückkehren? Die gibt es nicht. Ganz so unbeschwert lässt es sich dieser Tage bei den Eisbären eben nicht über Sport sprechen.

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