Sport : Mission Mittelmaß

Der 1. FC Union startet in die neue Saison der Zweiten Bundesliga – mit reduziertem Etat und bescheidenen Zielen

Karsten Doneck

Berlin. Heiner Bertram fand es an der Zeit, ein paar grundlegende Dinge zu klären. „Eisern Union“, sagte er – und das sagt er ziemlich oft, wenn er vom Fußball-Zweitligisten 1. FC Union spricht und seine Nähe zu den Fans demonstrieren möchte: „Eisern Union – das ist mehr Kampfgeist, mehr Einsatzbereitschaft.“ Aus ihm sprach die Enttäuschung: Gerade hatten die Köpenicker ihr letztes Saisonheimspiel verloren, 0:1 gegen Eintracht Braunschweig, und Unions Präsident klagte: „Die Saison endet so, wie wir sie begonnen haben: mit einer Niederlage.“

Heiner Bertram ist nicht der Mann, der Rückschläge tatenlos hinnimmt. Unter ihm als Präsidenten war es mit Union schließlich bisher immer nur aufwärts gegangen: Erst schaffte er das Kunststück, den Klub aus dem Klammergriff der Konkursrichter zu befreien, dann folgte die finanzielle und sportliche Konsolidierung, danach der Aufstieg in die Zweite Liga, der Einzug ins DFB-Pokalfinale sowie die Teilnahme am Uefa-Pokal. Insofern war die vorige Saison der erste wirkliche Rückschritt in der Ära Bertram. Da bleiben Konsequenzen nicht aus. „Ein Schnitt ist dringend notwendig“, sagte Bertram. Die Folge: Sieben neue Spieler verpflichtete der Klub, allesamt ablösefrei. Am Sonntag startet die neuformierte Mannschaft bei Mainz 05 in die Saison 2003/04.

Dann soll eine Saison voller Turbulenzen endlich graue Vergangenheit sein. Der Trainerwechsel von Wassilew zu Votava, die zur Abwendung einer Insolvenz notwendigen Kürzungen der Spielergehälter, die wenig feine Präsidenten-Beschimpfung („dieser Osterhase“) von einem außer Rand und Band geratenen Jungprofi namens Heiner Backhaus, die vielen Heimniederlagen, die zu Nörgeleien bei den Fans führten – das alles erweckte den Eindruck, als gerate der 1. FC Union so allmählich aus den gerade etwas gefestigter scheinenden Fugen. Bertram hat erfolgreich die Besinnung auf ein seriöses Erscheinungsbild angemahnt, auch deshalb, um möglichen Sponsoren gegenüber attraktiv zu erscheinen.

Auch sportlich sind die neuen Ziele festgezurrt. Es sind bescheidene Ziele. „Vom Aufstieg zu sprechen, halte ich für vermessen“, sagt Bertram. Aber: „Wir sollten schon oberhalb der Marke neun in der Tabelle mitspielen.“ Wer mehr will, braucht vor allem eines: Geld. Union hat aber im Vergleich zur vorigen Saison den Etat noch einmal senken müssen, um eine Million Euro auf nunmehr 6,5 Millionen Euro. Selbst dieser reduzierte Etat macht ein paar Kunstgriffe notwendig, um keine großen Deckungslücken entstehen zu lassen. Dazu zählt auch, dass der 1. FC Union erstmals einen Topzuschlag von seinen Fans verlangt, und zwar gleich für das erste Heimspiel gegen Energie Cottbus am 10. August. Die Mehreinnahmen bei rund 15 000 Zuschauern summieren sich auf mehr als 25 000 Euro.

Die finanziellen Dinge berühren auch Mirko Votavas Arbeit. Der Union-Trainer bat darum, den Kader von 21 Spielern noch geringfügig zu erweitern. Vergeblich. Jetzt versucht Votava, sich so gut es geht mit dem Vorhandenen zu arrangieren. Er verlangt: „Wir müssen uns als Einheit präsentieren.“ Dass dieses Element bei der ernüchternden 0:4–Niederlage im letzten Test gegen Bundesligist Hansa Rostock noch nicht so deutlich wurde, ficht zumindest Unions Kapitän Steffen Baumgart nicht an. Der sagt: „Deswegen fahren wir jetzt trotzdem nach Mainz mit null Punkten und null zu null Toren. Erst wenn wir gegen die vier Dinger reinkriegen, dann hätten wir wirklich ein Problem.“

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