Sport : Missmutig und missgelaunt

Werder Bremen ahnt künftige Probleme

Frank Hellmann

Mainz – Angelos Charisteas? Saß vor dem Anpfiff ohne Socken, im aufgeknöpften Hemd, Kaugummi kauend und mit Verdruss auf einer Metallkiste. Wegen Adduktorenproblemen durfte sich der griechische Held der Europameisterschaft für das Finale im Ligapokal nicht einmal umziehen. Missgelaunt. Miroslav Klose? Schüttelte nach dem verlorenen Spiel gegen einen starken FC Bayern – die Unterlegenheit war deutlicher, als es das 2:3 vermuten ließ – immer wieder den Kopf und stapfte in die Kabine. Missmutig. Ivan Klasnic, an diesem Abend mit Abstand bester Bremer, hockte vor der Kabine auf einem Stuhl, schüttete sich Wasser über den Kopf und sagte: „So können wir am Freitag nicht spielen.“

Die Stürmer als Sinnbild der Verfassung des Titelverteidigers, den schon vor dem Bundesliga-Auftakt am Freitag gegen Schalke 04 (20.30 Uhr/live in der ARD) die Ernüchterung eingeholt hat. Ob der in allen Mannschaftsteilen sichtbaren Missstände sprachen die Verantwortlichen Klartext. „Das war eine Halbzeit Sommerfußball – wir haben viel zu wenig getan“, sagte Trainer Thomas Schaaf. Der Bremer Trainer wollte weder Aggressivität noch Laufbereitschaft gesehen haben. Manager Klaus Allofs mäkelte. „Wenn man so spielt, darf man sich über eine Niederlage nicht wundern.“ Daraus seien Lehren nun zu ziehen. Fragt sich nur, welche?

Offenkundig gibt es Probleme hinten, wo Torwart Andreas Reinke sowie die Neuen in der Viererkette, Petri Pasanen und Frank Fahrenhorst, Unsicherheitsfaktoren sind. Und vorne, wo vom schwungvollen Vorwärtsspiel der Vorsaison wenig zu entdecken war. Das Kräftemessen mit den Bayern bestätigte das, was viele befürchtet hatten: Das auf Kombinationen durch die zentrale Zone und Direktpässe in die Spitze abgestimmte Spielsystem der Bremer passte zum konterstarken Stürmer Ailton. Es ist aber nicht unbedingt kompatibel für einen Stürmer wie Klose, der eher ein Kopfballspezialist als ein Konterstürmer ist. Er lauert auf Flanken statt auf Steilvorlagen. „Es wäre ein Wunder, wenn das auf Befehl gelingen würde“, sagt Allofs, „wir haben da noch gewiss große Möglichkeiten, uns zu verbessern.“

Vor allem Klose, unsicher in der Ballkontrolle, ungelenk im Zweikampf, konnte im Gegensatz zu seinen ersten Eindrücken in Grün-Weiß-Orange nicht überzeugen. Nun war es aber in der gesamten Vorbereitung nicht so, dass Klose den Fremdkörper spielte. Schaaf sieht gar zwischen Klasnic und Klose das Spielverständnis wachsen. Aber der Abstimmungsbedarf zwischen beiden ist immer noch offensichtlich.

Und der baldige Kommunikationsbedarf mit Charisteas auch. Denn nach seinem Aufstieg zum Helden aller Griechen ist nicht nur das Stadion und der Kindergarten in seiner Heimatstadt Strimoniko nach dem 33-fachen Nationalspieler und Rehhagels Lieblingsstürmer benannt worden. Es wuchsen auch seine Ansprüche. Nun will Charisteas Stürmer Nummer eins in Bremen sein.

Die vergangenen Spielzeit trug Charisteas, der 2002 aus Saloniki verpflichtet wurde und im Einstandsjahr auf Anhieb zur Stammkraft aufstieg, nur bedingt zum Spaßfußball bei. Der 24-Jährige war eher frustriert, weil er zwar 24 Mal eingesetzt wurde, aber nur viermal über die volle Distanz spielen durfte. Am Ende rutschte er in der Hierarchie der Stürmer an die vierte Stelle ab. So formulierte Charisteas nach seiner Rückkehr nach Bremen vor neun Tagen: „Wenn es noch mal so läuft, bin ich weg.“

Nun übt er auch unverhohlen Kritik. Ihm fehle das Vertrauen vom Trainer. „Otto Rehhagel ist für mich wie ein Papa, Thomas Schaaf ist mein Trainer mit einem ganz anderen Charakter.“ Doch den Worten folgten keine Taten: Im Ligapokal-Halbfinale schoss er sich vor dem Tor den Ball an die Hacken, nun versagten die Muskeln den Dienst. Eine Blockade in den Beinen – ist das schon eine Symbolik für die Saison des Double-Gewinners?

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