Sport : Misstöne bei den türkischen Gesängen Türkiyemspor steht kurz

vor der Insolvenz

Berlin - Tausende Türken werden heute Abend im Berliner Olympiastadion feiern, sie werden klatschen, ihr Team anfeuern und am Ende vielleicht sogar jubeln; ihre Fußball-Nationalmannschaft trifft in der EM-Qualifikation auf die deutsche Auswahl. Wahrscheinlich sind unter den türkischen Fans auch diverse Anhänger des Berliner Regionalligisten Türkiyemspor, und denen dürfte eigentlich nicht wirklich nach Freudengesängen zumute sein. Denn ihr Verein will offenbar am Montag Insolvenz anmelden. Das meldete gestern Abend „rbb-online“. Damit müsste ein Verein, der wegen seines großen sozialen Engagements bekannt ist, einen ganz harten Schlag verkraften, Folgen offen.

Überraschend würde dieser Schritt allerdings nicht kommen, der Kreuzberger Klub hat seit einiger Zeit große finanzielle Probleme. Grund dafür sind unter anderem fehlende Sponsorengelder. Aktuell hat der Verein 639 360 Euro Schulden. Diese Zahl nannte gestern Süreyya Inal, die Vorsitzende des Aufsichtsrats bei Türkiyemspor. Erst vor kurzem war der ganze Vorstand des Vereins aufgrund der finanziellen Probleme zurückgetreten.

Allein frühere Vorstandsmitglieder haben gegenüber dem Verein noch Forderungen von rund 300 000 Euro. „Das ist der größte Posten“, wird Inal bei „rbb-online“ zitiert. Nur wenn diese Gläubiger bereit seien, auf ihr Geld zu verzichten, hätte Türkiyemspor noch eine Chance, die drohende Insolenz abzuwenden. Verhandlungen laufen derzeit.

Aber auch das Finanzamt will Geld; die genaue Höhe ist nicht bekannt, es kursiert die Zahl von 150 000 Euro. „Da ließe sich außergerichtlich sicher eine Einigung erzielen“, sagte Inal allerdings. Die aufgeschreckten Mitglieder sollen am Sonntag bei einer Informationsveranstaltung über die aktuelle Situation informiert werden.

Türkiyemspor wurde 1978 gegründet und erhält seit Jahren viel Lob und Anerkennung für seine Integrationsarbeit. Mehr als 700 Jugendliche aus mehr als 20 Nationen spielen in den Nachwuchsmannschaften. Ehrenpräsident Celal Bingöl betont immer wieder, dass Fußball für den Verein nicht die Hauptaufgabe sei. Vor allem kümmere sich der Klub um Integration. Er organisiert Hausaufgaben-Hilfe für kids, arbeitet mit Kitas und Schulen und engagiert sich im Kampf gegen Schwulenfeindlichkeit und bemüht sich, Ausländerfeindlichkeit zu reduzieren. In welcher Form er sich in Zukunft um diese Aufgaben kümmern kann, ist im Moment völlig unklar. Tsp

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