Sport : Misstöne zum Jubiläum

Steuern falsch berechnet: Berliner Tennisverband zeigt Ex-Geschäftsführer an

Frank Bachner

Berlin - An Sekt wird es sicher nicht fehlen, an feierlichen Worten auch nicht, schließlich feiert der Berliner Tennisverband am Freitag in einem Hotel der Stadt seinen 100. Geburtstag. Ein Thema freilich passt so gar nicht zur fröhlichen Stimmung: Der Verband hat vergangene Woche seinen früheren, langjährigen Geschäftsführer Björn Theuergarten angezeigt. Theuergarten soll bei seinem Gehalt zu wenig Lohnsteuern abgeführt haben. Der Schaden beträgt nach Angaben von Verbandschef Siegfried Gießler rund 6000 Euro. Der Vertrag mit Theuergarten wurde zum 31. Dezember 2006 ohne Abfindung aufgelöst. Nachforschungen hatten nach Angaben eines Präsidiumsmitglieds ergeben, dass mehrfach falsch abgerechnet worden war.

Theuergarten bestätigte dem Tagesspiegel, dass er zu wenig Lohnsteuern abgeführt habe („Korrekt“). Die Höhe des Schadens wisse er aber nicht genau. Ein Präsidiumsmitglied sagte, der Schaden liege sogar bei 15 000 Euro. Theuergarten wollte das nicht kommentieren.

Die Personalie Theuergarten sorgt für einige Unruhe im Verband, sowohl bei den Vereinen als auch im Präsidium. In der Führungsebene gibt es Mitglieder, die Gießler und anderen Spitzen-Funktionären vorwerfen, Theuergarten schützen zu wollen und eine umfassende Aufklärung zu verhindern.

Das ganze Präsidium hatte im April nach heftiger Diskussion beschlossen, Theuergarten anzuzeigen. Gegner dieser Anzeige führten soziale Gründe an, Theuergarten habe Familie. Doch es passierte nichts. „Aber nur, weil das Präsidium einstimmig der Meinung war, abzuwarten, bis alles aufgeklärt worden ist“, sagt Gießler. Deshalb habe man auch einen Wirtschaftsprüfer eingesetzt. Am 20. September debattierte das Präsidium wieder über die Anzeige. „Gießler wollte sie verhindern“, sagt ein Präsidiumsmitglied. Falsch, kontert der Präsident: „Ich habe klar gesagt, wir erstatten die Anzeige.“ Allerdings sei auf Betreiben Gießlers über die Anzeige nochmal abgestimmt worden, sagt ein Mitglied der Führungsebene. Ergebnis: Eine Mehrheit war gegen eine Anzeige.

Doch die ließ sich nicht mehr verhindern, denn inzwischen waren Vereine alarmiert. In einem Brief von zwei Klubs wurde das Präsidium aufgefordert, zu Gerüchten über Verfehlungen des Geschäftsführers Stellung zu nehmen. Bei einer Mitgliederversammlung im März sei davon nicht die Rede gewesen. Gießler bestreitet diesen Vorwurf.

Zweifellos gibt es aber ein paar Merkwürdigkeiten. So prüfte kein unabhängiger Experte die Unterlagen auf weitere Unregelmäßigkeit, sondern ein Mitarbeiter von Schatzmeister Wolfgang Tismer. „Das ist doch unerheblich“, sagt Präsidiumsmitglied Dieter Rewicki. Für ihn sind auch die in Rede stehenden 6000 Euro „unerheblich. Es hat doch kein gewaltiger Betrug stattgefunden.“ Doch Präsidiumsmitglieder, die auf Transparenz setzen, sind verärgert unabhängig davon, dass der Wirtschaftsprüfer nichts zusätzlich Belastendes gefunden hat.

Allerdings hat eine Mehrheit des Präsidiums, darunter Gießler und Rewicki, verhindert, dass alle Präsidiumsmitglieder die Unterlagen studieren dürfen. Rewicki: „Jeder hat sein Ressort. Da greift man nicht ins Gebiet der anderen.“ Der neue Geschäftsführer ist im Übrigen der Sohn von Rewicki.

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