Sport : Mit 15 schon im Rücken von Sandra Völker

STEFANIE DöRRE

Die Schwimmerin Anne Wiesner mag keinen Druck und keinen Rummel um ihre PersonVON STEFANIE DöRRE BERLIN."Druck ist das Schlimmste.Dann geht gar nichts mehr." Anne Wiesner, schnellste Rückenschwimmerin der Jugendnationalmannschaft, möchte sich nicht in einen starren Erfolgsplan pressen lassen."Ich schaue, was wird", sagt sie energisch, weil ihr bei Zwängen der Spaß vergeht."Wir setzen reelle Zielzeiten, keine utopischen", präzisiert ihr Trainer Jan König.Mit Erfolg: Die 15jährige wurde dreimal in Folge Deutsche Jahrgangsmeisterin über 100 m und 200 m Rücken, belegte auf diesen Strecken bei den Jugend-Europameisterschaften 1996 einen zweiten und dritten Platz, holte 1997 mit der Staffel sogar Gold.Unter anderem.Dank dieser Bilanz wurde sie vom Olympiastützpunkt für einen Förderpreis empfohlen.Weil sie unter den Schwimmern die Erfolgreichste im Nachwuchsbereich war.Und weil auf ihr für Syndey 2000 die größten Hoffnungen ruhen. Anne Wiesner spricht nicht von einer Olympiateilnahme, sie denkt lieber an Nahziele: "Ich möchte an die deutsche Spitze rankommen." Allzu weit ist sie davon nicht mehr entfernt.1995 schwamm sie über 100 m Rücken in 1:03,70 Minuten Jahrgangsrekord.Zum Vergleich: Sandra Völker qualifizierte sich für die nächste Schwimm-WM mit der Zeit von 1:02 Minuten.Momentan liegt Anne zwar durch Krankheit und Urlaub etwas hinter ihren Bestmarken zurück.Doch sie habe noch Reserven, vor allem im athletischen Bereich.Um ein bis zwei Sekunden will sich die Kurzstreckenspezialistin bis zum nächsten Sommer verbessern: "Ich sehe, daß ich den Anschluß kriegen kann." Das motiviert sie, auch wenn Anne Wiesner früh morgens manchmal "schon wieder" denkt. Sie geht trotzdem zum Training.Fleiß und Willen nennt König als ihre besonderen Stärken.6.45 Uhr aufstehen, ab 8 Uhr im Becken, Schule von 10 bis 16 Uhr, danach wieder zwei Stunden Training."Manchmal falle ich abends völlig tot ins Bett.Aber es lohnt sich", sagt Anne.Sie wohnt in Hohenschönhausen, nahe dem Landesstützpunkt im Sportforum, und geht in die 10.Klasse der sportbetonten Werner-Seelenbinder-Gesamtschule, auch die liegt um die Ecke.Sonst wäre dieses Pensum kaum zu schaffen.Sie hat durchgehalten.1991 betreute Jan König 15 Talente aus Annes reiner Schwimmer-Klasse, vier von ihnen sind noch dabei.Mit ihren Schulfreundinnen kommt Anne morgens zum Training, gemeinsam zockeln sie zum Unterricht.Aus dieser Gruppe wird sie nicht gern als größtes Talent hervorgehoben.Denn die enge Verbindung von Freundschaften und Leistungssport hat teil an ihren Erfolgen, ebenso wie das Vertrauensverhältnis zu ihrem Trainer. 1991 kam Anne Wiesner zu Jan König.1998 soll sie zum Bundesstützpunkt wechseln, aber: "Ich will nicht." Die junge Schwimmerin weiß nicht, was sie erwartet, wer sie trainieren wird.Für ihre sportliche Entwicklung ist die Veränderung wohl trotzdem unumgänglich.König arbeitet im Nachwuchsbereich, würde sie nicht immer zu Wettkämpfen begleiten können.Außerdem ist die Förderung auf Bundesebene intensiver, auch finanziell.Annes Verein, der SV Preußen Berlin, kann sie nicht unterstützen.Etwas Geld steuert die Sporthilfe bei, doch bei jedem Trainingslager, bei jedem Start müssen die Eltern zuzahlen. Mit 16 Jahren wechseln die Schwimmerinnen vom Jugendbereich in die offene Klasse.Ob Anne Wiesner sich mit ihren 15 Jahren bereits alt fühlt? "Nein.Schwimmerinnen werden immer älter, Franzi war eine Ausnahme.Jeder Mensch kommt anders oben an." Sportlich hat Anne den Sprung in die erste Garde der deutschen Schwimmerinnen schon fast geschafft.Problematischer könnte werden, daß sie damit auch in die Öffentlichkeit gestoßen wird.Den Rummel, der sich um die nationale Riege dreht, "will ich nicht unbedingt".Ist sie durch die Doping-Prozesse verunsichert? Auf das Thema angesprochen zu werden, nervt sie."Ich finde es schlimm, was die früher gemacht haben.Aber ich habe damit einfach nichts zu tun." Anne Wiesner antwortet zurückhaltend und entschlossen zugleich.Schließlich möchte sie sich nicht unter Druck setzen lassen.Von niemandem.

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