Sport : Mit Ästhetik zum Boom

Die WM im eigenen Land soll Frauen-Volleyball in Deutschland populärer machen

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Von Andreas Morbach

Münster. Bei Deutschlands Volleyballerinnen ist es der große Saisonrenner: Die Spielerinnen stellen sich der Länge nach sortiert nebeneinander auf, linke Hand an der Hüfte, das linke Bein leicht einknicken und nach vorne schieben. Dann klicken die Kameras. Oder es greift, wie am Dienstag in der Fußgängerzone von Münster, ein Moderator zum Mikrofon und lässt die Nationalspielerinnen eine nach der anderen , Größe und persönliches Ziel für die heute beginnende Weltmeisterschaft aufsagen.

Ganz schön seltsam, diese Aktion, findet die Mannschaftsführerin Béatrice Dömeland. „Das Aufstellen haben wir in diesem Sommer ja schon mehrmals geübt. Aber bisher sind wir zumindest noch immer vorgestellt worden." Dass die Nation ihre Spitzen-Volleyballerinnen später, nachdem die erste Frauen-WM in Deutschland vorbei ist, in Einkaufsstraßen auf Anhieb erkennt – das wäre ganz schön, aber es muss nicht sein.

Aber einen generellen Aufschwung erhofft sich die unter Geldnot und schwachen Zuschauerzahlen leidende Sportart von den Titelkämpfen im eigenen Land natürlich schon. Das Fernsehen steht dabei nicht im Weg. Insgesamt 56 TV-Stunden bieten ARD (in den Regionalprogrammen) und ZDF (überträgt die Endrunde in Berlin) an. Im Vorfeld der WM hat die 20-jährige Kathy Radzuweit zur Steigerung der Popularität schon einmal für „Max“ alle Hüllen abgelegt. Der „Stern" legt mit Nacktfotos des halben Kaders nach. Für Zuspielerin Dömeland „ästhetische Fotos“, mit denen Volleyball „wieder ein bisschen in die Köpfe der Menschen“ gerückt werden soll. „Wir hoffen auf einen Boom durch die WM", sagt Werner von Moltke, der Präsident des Deutschen Volleyball-Verbands.

Sehr ungelegen käme es da, wenn das Team um Starspielerin Angelina Grün wie bei der WM 1998 und der EM 2001 bereits in der Vorrunde scheitern würde. Deshalb muss die deutsche Mannschaft unter sechs Teams zumindest Platz drei in der Gruppe A in Münster belegen. Und das wird laut Bundestrainer Hee Wan Lee schwer genug. „Mexiko kenne ich nicht", sagt der gebürtige Südkoreaner. Bleiben Tschechien, Japan, Bulgarien (EM-Dritter 2001) und Vizeeuropameister Italien als Gruppengegner. Zum Auftakt geht es heute gegen Tschechien.

Angelina Grün, die in Italien spielt, erspart sich zu viel Understatement, nicht zuletzt nach dem überragenden dritten Platz in der Weltliga im Juli. Platz sechs, wie bei Olympia 2000, sei zu wenig. „Damit wir das wirklich ins Laufen kriegen, müssen wir aufs Treppchen", sagt die 23-Jährige. Denn: „Deutschland ist eine Leistungsgesellschaft."

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