Sport : Mit allen Wassern

Die Schwimm-EM soll für Madrid Werbung für Olympia sein

Julia Macher

Madrid. Mit weißen Sternen auf leuchtend rotem Grund wirbt Madrid für die Europameisterschaften im Schwimmen. „Stars on the Water“ kündigen Plakate überall in der spanischen Hauptstadt an. Doch der optimistische Slogan täuscht: Die diesjährige Schwimm-EM steht im Schatten der Olympischen Spiele von Athen. Viele Athleten sparen ihre Kräfte lieber für olympisches Gold und haben ihre Teilnahme abgesagt. Aus Deutschland etwa reisen nur 42 Sportler an. Das Team des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV), angeführt von Sandra Völker, Stev Theloke und Mark Warnecke, ist damit so klein wie lange nicht mehr.

Schaufenster für Olympia

Dabei erhofft sich Madrid Großes vom europäischen Wettkampf um die Medaillen im Schwimmen, Synchronschwimmen, Kunst- und Turmspringen. Nach dem Willen der Politik soll die Ausrichtung der EM eine Art Sprungbrett für die Olympischen Spiele 2012 sein. Am 18. Mai, nur zwei Tage nach dem Ende der EM, gibt das Exekutivkomitee des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne die Kandidaten für die übernächsten Sommerspiele bekannt.

„Die Schwimm-EM ist unser Schaufenster für Olympia 2012. Mir ihr werden wir unser Organisationstalent beweisen“, betonen Bürgermeister Alberto Ruiz-Gallardón und die Präsidentin der Region Madrid, Esperanza Aguirre, unermüdlich. In den Rankings der spanischen Medien belegt Madrid derzeit dicht hinter den Favoriten Paris und London einen ansehnlichen dritten Platz, knapp vor New York – und meilenweit vor Leipzig. Wie die Chancen für eine Kandidatur Madrids wirklich stehen, lässt sich schwer einschätzen. Allerdings nutzt die Stadt geschickt jede Möglichkeit zum Selbstmarketing. Sogar der als vorbildlich gelobte Einsatz der Polizei und Behörden nach den Terroranschlägen vom 11. März wird als Argument für Olympia in Madrid angeführt.

Bei der Schwimm-EM, dem ersten internationalen Sportereignis in der Hauptstadt nach den blutigen Attentaten, gilt der Sicherheit deshalb besonderes Augenmerk. Die Polizisten, die seit Anfang April unentwegt öffentliche Plätze und Verkehrseinrichtungen kontrollieren, werden für die Sicherheit der mehr als 900 Sportler aus 40 Ländern sorgen. Zusätzlich zu den staatlichen Kräften haben die Organisatoren noch privaten Wachschutz angefordert. Wenn am Abend des 8. Mai die Schwimm-EM mit einem Licht- und Wasserspektakel feierlich eröffnet wird, soll die Schwimmer nichts weiter kümmern als die Jagd nach Rekorden, so wünschen es sich jedenfalls die Verantwortlichen in der spanischen Hauptstadt.

Doch allen vorolympischen Anstrengungen, allem Eifer und Fleiß zum Trotz – einen kleinen Wermutstropfen gibt es doch: Statt im großzügigen, hochmodernen Schwimmzentrum „Centro Acuático“ werden die meisten EM-Wettkämpfe im „M 86“ ausgetragen, einer fast 20 Jahre alten Sportanlage. Der bürokratische Kürzelname soll an die Schwimm-WM von 1986 erinnern.

„Wir hätten sehr gerne das Centro Acuático eingeweiht“, sagt Alfonso Wucherpfennig, Direktor des Organisationskomitees. Doch das im Rahmen der Olympia-Bewerbung geplante Zentrum ist einfach nicht rechtzeitig fertig geworden. Das „M 86“ im Südosten der Stadt mit seinem wuchtigen Beton-Springturm verbreitet das Flair der Achtzigerjahre.

Provisorisch verschönert

Für drei Millionen Euro hat Madrid die 21 000 Quadratmeter große Einrichtung, die einst als eine der modernsten der Welt galt, provisorisch verschönert: Die Fassaden wurden frisch gestrichen, die Pressetribünen erweitert. Zumindest können die Schwimmer im „M 86“ von der Nähe zum Stadtzentrum profitieren. Die Frei- und Hallenbäder liegen nur zehn Minuten vom weltberühmten Museum Prado und zwanzig Minuten von der Altstadt entfernt. Sightseeing zwischen 50 Meter Brust und Kraul – ein Luxus, auf den die Langstreckenschwimmer verzichten müssen. Der Startschuss für die Wettkämpfe über fünf, zehn und 25 Kilometer fällt 55 Kilometer außerhalb von Madrid, am Stausee San Juan.

Und zumindest hier, in der Peripherie Madrids, kommt auch Athen der spanischen Hauptstadt nicht in die Quere. „Diese Langstreckenwettkämpfe sind die wichtigsten des gesamten Jahres“, versichert Rafael Blanco, Präsident der spanischen Schwimmvereinigung. „Europa hat die besten Athleten in dieser Disziplin – und bei Olympia gibt es keine Wettbewerbe im offenen Wasser.“

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