Sport : Mit Anstand verloren

Werder hält beim 1:2 bei Real Madrid lange mit

Madrid - Zwischen einer Niederlage und einer Niederlage gibt es manchmal eben doch einen Unterschied. Beispiel: Werder Bremen. Zwar standen die Bremer auch Dienstagabend beim Auftaktspiel in der Champions League bei Real Madrid nach dem 1:2 (1:1) mit leeren Händen da. Doch anders als jüngst beim vernichtenden 0:3 in der Bundesliga in Dortmund konnten sie diesmal den Platz nach einer ansprechenden Leistung gegen den großen Favoriten mit erhobenem Kopf verlassen.

Die ersatzgeschwächten Bremer, bei denen sich immerhin Per Mertesacker von seiner Magenverstimmung erholt hatte, begannen gegen das spanische Starteam von Trainer Bernd Schuster zunächst unkonzentriert. Wie gegen Dortmund produzierten die Gäste immer wieder unnötige Fehlpässe im Mittelfeld. Real konnte daraus allerdings zunächst nur optische Vorteile ziehen – und eine einzige Torchance. Nach einer Viertelstunde tankte sich Ruud van Nistelrooy auf der linken Seite erstmals durch, seine Flanke landete auf dem Kopf von Raul, der köpfte aus Nahdistanz (unter Beobachtung seines Gegenspielers Naldo und 80 000 weiterer Zuschauer) in Richtung Tor – und schon lag der Ball im Bremer Netz. Schuster, der den starken Saisonstart seines Teams in der spanischen Liga als „ganz guten Anfang“ heruntergeredet hatte, „nach dem noch viel verbessert werden kann“, sprang jubelnd von seiner Bank. Auch er weiß, dass ihn sein Verein vor allem an den Ergebnissen in der Champions League misst – und dabei zählt einzig und allein der Titel.

Um dieses Ziel zu erreichen, muss Schuster aber vor allem seine Abwehr optimieren. Das zeigte sich schon 93 Sekunden nach dem Jubel des Trainers. Der Bremer Tosic konnte den Ball von links in den Strafraum bringen. Den noch abgefälschten Flankenball schob Sanogo aus Nahdistanz direkt zum Ausgleich ein – der deutsche Nationalspieler Christoph Metzelder kam zu spät.

Nach dieser aufregenden Phase wankte das Spiel auf technisch bisweilen ansprechendem Niveau hin und her. Diego trieb mit auffälligen Solos das Bremer Spiel voran, einmal verpasste Rosenberg gar die Chance zum Führungstreffer. Auf Seiten der Gastgeber setzte sich Raul im Bremer Strafraum immer öfter in Szene, scheiterte aber mehrmals an Bremens Torhüter Tim Wiese oder der inzwischen sicherer wirkenden Abwehr. Besonders gegen Ende der ersten Hälfte drängte Real vehement auf die Führung, doch ohne Erfolg.

Mit Beginn der zweiten Halbzeit hatten die Spanier diese Bemühungen allerdings weitgehend wieder eingestellt und plötzlich übernahm Werder notgedrungen sogar das Spielgeschehen. Beziehungsweise Diego. Er war es auch, der bei einem Konter nach einer Stunde in Madrids Strafraum eindrang, wo Vranjes sein Zuspiel in aussichtsreicher Position aber nur zu einem kläglichen Schuss nutzte. Die scheinbare Überlegenheit der Gäste währte jedoch nur kurz, dann hatte sich Real wieder gefangen. In der 68. Minute fing Wiese Rauls Lupfer noch mit einer Hand ab und vier Minuten später parierte er einen Gewaltschuss von van Nistelrooy, doch bei der nächsten Chance hatte auch Wiese keine Chance mehr. Raul spielte van Nistelrooy frei, und der schob diesmal sicher ins linke Eck ein. Weil den Bremer Alleinunterhalter Diego langsam die Kräfte verließen, war an einen erneuten Ausgleich kaum zu denken. Aber in Madrid nicht in ein Debakel gelaufen zu sein, darf Werder momentan ruhig als Erfolgserlebnis werten. Tsp

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