Sport : Mit breitem Kreuz

Nationalstürmer Gerald Asamoah schießt Schalke zum 1:0-Sieg beim FC Bayern

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Bastian Schweinsteiger und Hasan Salihamidzic hätten auch gegen einen Betonpfeiler laufen können, es wäre vermutlich kein großer Unterschied zu spüren gewesen. Gerald Asamoah hatte seinen mächtigen Körper zwischen Ball und den nahenden Gegenspielern installiert, und als die beiden Münchner auf ihn trafen, prallten sie von seinem breiten Kreuz ab wie kleine Kinder von der Wand einer Hüpfburg.

Die Szene, die sich wenige Minuten vor Abpfiff im Münchner Olympiastadion zutrug, war exemplarisch für das Spiel zwischen Bayern München und Schalke 04: Die Bayern liefen 90 Minuten lang mehr oder weniger planlos an, die Schalker versperrten ihnen immer wieder geschickt den Weg. Und aus dem Ganzen ragte am Ende einer heraus: Gerald Asamoah. Der Nationalstürmer war stärkster Mann auf dem Platz und erzielte eine Viertelstunde vor Schluss das Tor zum verdienten 1:0Sieg. Nach missratenem Saisonbeginn haben sich die Gelsenkirchener auf den sechsten Platz vorgeschoben, die Bayern haben auf Rang vier bereits sechs Punkte Rückstand zur Tabellenspitze.

Zur Halbzeit hatten die Zuschauer, wie es bei Bundesliga-Heimspielen der Münchner in dieser Saison zur Routine geworden ist, ihrer Mannschaft ein leidenschaftliches Pfeifkonzert gewidmet. Beide Teams hatten sich bis dahin weitgehend neutralisiert. „Das Spiel plätscherte so dahin“, analysierte Michael Ballack treffend. An der spannendsten Szene der ersten Hälfte waren die beiden Spieler hauptbeteiligt, die in den vergangen Tagen im Mittelpunkt gestanden hatten: Oliver Kahn, unfreiwilliger Protagonist in der Posse um den Posten des Nationaltorwarts, und Ailton, der nach Rot-Sperre und ergänzender Kreativpause in seiner brasilianischen Heimat erstmals seit sieben Wochen für Schalke auflief. Seinen Schlenzer aus zwölf Metern Torentfernung konnte Kahn parieren. Insgesamt machte Bayerns Kapitän einen hochkonzentrierten Eindruck. Der gestiegene Druck nach den Diskussionen der vergangenen Wochen schien ihn eher zu beflügeln denn zu belasten. Ailton dagegen nahm sich sehr ausgedehnte Auszeiten, weshalb ihn Rangnick nach gut einer Stunde von seiner Aufgabe entband.

Die Bayern enttäuschten drei Tage vor dem Champions-League-Spiel bei Juventus Turin auch nach der Pause auf ganzer Linie. „Es war über die gesamte Spielzeit zu wenig Tempo, zu wenig Bewegung. Wenn man so in ein Spiel geht, ist es schwer, den Schalter umzulegen“, nörgelte Michael Ballack, der ebenfalls keinen kreativen Beitrag zum Münchner Spiel leisten konnte. „Was Einsatzbereitschaft und Siegeswille angeht, war ich heute nur mit Oliver Kahn und Lucio zufrieden“, sagte Bayerns Trainer Felix Magath. Besonders unzufrieden war er mit Sebastian Deisler, den er wegen Missachtung seines Auftrags bereits zur Halbzeit ausgewechselt hatte: „Er sollte vorne Roy Makaay unterstützen, stattdessen wollte er es besonders gut machen und hat sich immer hinten selbst die Bälle holen wollen.“ Als bereits einiges auf ein 0:0 hindeutete, schlugen die Schalker zu. Asamoah köpfte aus kurzer Distanz eine Freistoßflanke von der linken Seite unhaltbar ein. „Die haben wahrscheinlich nicht erwartet, dass der Asamoah ein Kopfballtor macht“, vermutete Asamoah. Offenbar hatte er Recht. Niemand in Bayerns Defensive hatte größere Anstrengungen unternommen, ihn am Kopfball zu hindern.

Die letzte Szene des Spiels gehörte Oliver Kahn, der, die drohende Niederlage vor Augen, in der Nachspielzeit Richtung gegnerischen Strafraum stürmte. In Höhe der Mittellinie blickte er in den Himmel, streckte die Arme aus, so, als wolle er Kontakt mit den höheren Mächten der Fußballwelt aufnehmen. Doch irgendwie schienen sie ihn nicht zu hören. Als hätte es noch eines Beweises bedurft: Es sind harte Zeiten angebrochen für Oliver Kahn.

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