• Mit dem 3:1-Erfolg gegen Parma halten sich die Bremer exakt an den Fahrplan von Trainer Schaaf

Sport : Mit dem 3:1-Erfolg gegen Parma halten sich die Bremer exakt an den Fahrplan von Trainer Schaaf

Martin Breutigam

Die Tasse Kaffee war vermutlich schon kalt, dennoch trank Signore Alberto Malesani sie aus - in einem Zug. Als müsse der Trainer des AC Parma erst einmal seine Verärgerung herunterspülen, bevor er den Journalisten das Aus im Uefa-Cup erklären konnte. "Bei uns läuft in diesem Jahr alles schief", resümierte Malesani gequält und rieb sich die Augen. Diese hatten gemeinsam mit 33 000 Zuschauern gesehen, wie das Starensemble des AC Parma im Achtelfinal-Rückspiel beim SV Werder mit 1:3 unterlag. Nach dem Ausscheiden des Titelverteidigers wird Malesanis wohl wieder um seinen Job bangen. Ganz anders Bremens Coach Thomas Schaaf, der sich "an diesem fantastischen Fußballabend" am meisten darüber freute, "dass meine Mannschaft ihren Fahrplan genau eingehalten hat". Schon am Dienstag geht es weiter: im Viertelfinal-Hinspiel beim FC Arsenal in London.

Gewiss, das 0:1 aus dem Hinspiel konnte nur mit beachtlichem Einsatz, Disziplin und einer geschlossenen Mannschaftsleistung wettgemacht werden. Trotzdem waren es, hüben wie drüben, vor allem individuelle Leistungen beziehungsweise Fehlleistungen, die das Glückspendel letztlich zugunsten der Bremer ausschlagen ließen. So schien Werders Spielmacher Andreas Herzog diesmal entschlossen zu beweisen, dass er noch lange nicht in die Kategorie der Altherren-Fußballer gehört. Nach einigen durchwachsenen Auftritten in der Bundesliga war der 31-jährige Österreicher am Donnerstag die überragende Persönlichkeit. "Er ist unglaublich viel gelaufen und hat immer wieder Akzente nach vorne gesetzt", schwärmte Schaaf. Und hätte Herzog seinen Kollegen nicht vorgemacht, dass auch Parmas vom französischen Weltmeister Lilian Thuram organisierte Abwehr verwundbar ist - womöglich hätten die Bremer irgendwann selbst nicht mehr daran geglaubt.

Denn zunächst überstand die italienische Fünferkette Bremens engagierte Angriffe unbeschadet, vor allem, weil Nationaltorhüter Gianluigi Buffon einige Großchancen glänzend zunichte machte. Nach einer halben Stunde Spielzeit bog aber Herzog in den gegnerischen Strafraum ein, ließ den Ball kunstvoll und blitzschnell vom linken auf den rechten Fuß tanzen und zugleich einen Italiener ins Leere laufen. Sein Rückpass erreichte Christoph Dabrowski, der aus zehn Metern zum 1:0 abwickelte. Weil Werder jedoch mit einem Mal etwas nachließ und Parma durch einen Kopfball von Mario Stanic zum 1:1 ausglich, schien das Spiel eine Wende zu nehmen. Zumal Stanic und Dino Baggio frei vor Bremens Torwart Frank Rost auftauchten, aber beide kläglich scheiterten.

Besser machte es Bremens Ailton. Es ist noch nicht lang her, da hielt man ihn für ein Fünf-Millionen-Mark-Missverständnis, für den größten Fehleinkauf der Vereinsgeschichte. Der stämmige Brasilianer, von Schaafs Vorvorgänger Wolfgang Sidka an die Weser gelotst, war völlig ohne Selbstvertrauen, ungefährlich, eigensinnig und sprachfaul. Mittlerweile haben sich fast alle Attribute ins Gegenteil verkehrt. Ailton ist längst ein echter Torjäger, und er stellt sich beinahe altruistisch in den Dienst der Mannschaft. So war Bremens 2:1, kurz vor der Pause durch den wieder genesenen Marco Bode erzielt, ein Zeichen für den neuen "Ailtonismus" im Bremer Sturm: er hatte es nicht selbst versucht, sondern Bode den Ball zentimetergenau in den Lauf gespielt. "Das war superwichtig, einfach Weltklasse", lobte hinterher Keeper Rost. Und auch am 3:1 war der Brasilianer maßgeblich beteiligt, indem er nach einem Eckstoß den Ball mit unfreiwilliger Hilfe des Italieners Cannavaro und des Pfostens über die Torlinie stocherte.

Nur ums Deutsch sprechen kümmert sich Ailton weiter nicht sonderlich. Seit Schaaf Trainer ist, gebe es eine "neue Situation". Das ist seine Lieblingsfloskel, mit der er alles auf den Punkt zu bringen vermag: "Parma-Spiel gut, viele Komplimente an Mannschaft, in London neue Situation."

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