Sport : Mit dem letzten Tropfen

Vor dem Finale der Handball-Meisterschaft verlassen den THW Kiel die Kräfte

Hartmut Moheit

Berlin - Der Anblick hat etwas Symbolisches: Humpelnd und am Stock betritt Zvonimir Serdarusic die Ostseehalle. Ein Achillessehnenriss zwingt den Trainer des THW Kiel zu ruhiger Gangart. Ganz offenbar muss zum Ende der Handball-Saison nun auch sein Team diesen Stil pflegen, der Mannschaft des Bundesliga-Spitzenreiters geht langsam die Kraft aus. Nur noch vor den über 10 000 Zuschauern in Kiel können sie einiges kompensieren. Aber auch in Düsseldorf? Für fünf Euro dürfen 500 Fans am kommenden Sonntag in Ruhrgebiet reisen, wo Kiel ein Remis reichen würde.

„Wir kommen mit dem letzten Tropfen Benzin ins Ziel“, sagt THW-Manager Uwe Schwenker. Der elfte Titel ist so nahe – und Düsseldorf muss nicht mehr um den Klassenerhalt zittern. Das 32:25 gestern gegen den EHF-Pokalsieger TuSEM Essen, der eine Verletztenmisere zu beklagen hat, ist kein Maßstab gewesen. Marcus Ahlm und Christian Zeitz mit je sieben Treffern waren die besten Werfer. Da die Flensburger zeitgleich gegen Düsseldorf 31:26 gewannen, blieb alles wie vor dem vorletzten Spieltag.

„Wir werden in Düsseldorf sicherlich etwas zum Feiern dabeihaben“, sagt Torhüter Henning Fritz. Auch am „Welthandballer des Jahres“ ist die Saison nicht ohne Substanzverlust vorbeigegangen. Beim 34:31 am vergangenen Mittwoch in Minden half ein Kraftakt von ihm und von Linkshänder Zeitz, um aus dem 18:23 in der 42. Minute noch einen Erfolg zu machen. Aber Fritz hätten zuvor auch die Arme eines Kraken kaum geholfen, so durchlässig war die Abwehr des Favoriten. „Wir haben uns dann zusammengerissen, so hat es noch gereicht“, erzählt Fritz. „Das schafft nur ein kommender Meister“, sagt Schwenker.

Wie so eine Meisterfeier in Kiel abläuft, weiß der ehemalige Magdeburger noch von 2002: Empfang im Rathaus, Autokorso und eine große Jubelfete. „Dafür lohnt es sich doch, noch einmal die letzten Kräfte zu mobilisieren“, sagt er. Ein Grund kommt diesmal hinzu: Wenn vom 30. Mai an die Eintrittskarten für die Saison 2005/2006 am Ticketschalter der Ostseehalle in den Verkauf kommen, müssen die Fans im Durchschnitt eine Preiserhöhung von 7,6 Prozent hinnehmen. In der Euphorie lässt sich das eben eher verkraften als nach großer Enttäuschung. Schwenker nennt die gestiegene Miete für die Ostseehalle und die Kosten für den personellen Umbruch als Gründe. Mit Boquist, Petersson, Preiß und Pungartnik verlassen wichtige Spieler den Verein, vier neue kommen.

Dass der THW Kiel mit nur zwei Auswärtsniederlagen in Göppingen und in Flensburg sowie zwei Unentschieden zu Hause (Göppingen, Flensburg) nach 33 Spielen dasteht, ist vor allem auf den Kampfgeist der Mannschaft zurückzuführen. Kein Wunder, dass zum Finale hin nicht nur der Trainer am Stock geht.

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