Sport : Mit dem Mute der Begeisterung

Ron Ulrich

Die Journalisten löcherten Ralf Rangnick mit Fragen, wen er denn nun in seinem ersten Auswärtsspiel als Schalker Cheftrainer im Sturm aufbieten würde. Rangnick reagierte in der ihm eigenen Art: Er ließ mit drei Spitzen spielen, wohlgemerkt auswärts beim FC Bayern – Schalke gewann mit 1:0, das war 2004. Nachher gab Rangnick an, es komme darauf an, dass alle Spieler auch bei einer offensiven Ausrichtung ihre defensiven Aufgaben beherrschen.

Fast im Wortlaut gleich fiel seine Erklärung nach dem 5:2-Sieg in Mailand aus. Die Journalisten hatten ihn vorher gelöchert, wer auf der Sechser-Position spielen würde. Rangnick reagierte in der ihm eigenen Art und stellte mit Jurado einen Spielmacher dorthin. Rangnicks obige Ausführungen sind wie damals bei der Einführung der Viererkette nicht neu – doch es ist Rangnick, der den Mut zur Umsetzung besitzt. Ohne ihn wäre dieses Spektakel in Mailand nicht möglich gewesen.

Er hat von Magath zwar einen Kader in absurder Breite, doch ebenso mit enormem Potenzial geerbt. Im Gegensatz zu Magath hat Rangnick aber das richtige Gespür im Umgang mit Spielern wie dem in Mailand überragenden Baumjohann – und bringt das Potenzial zur Entfaltung. Nun wird dem Trainer nachgesagt, mit seinen Mannschaften erst Rausch, dann Kater auszulösen. Auch auf Schalke kann der Kater folgen, kann die Krönung für das Offensivspiel ausbleiben, doch Rangnicks Titel sind Spiele wie jenes in Mailand. Wenn man ihn weiter als „Professor“ titulieren will, dann nicht als einen der Mathematik, sondern der Philosophie.

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