Sport : Mit dem Mute der Vergangenheit

Stefan Hermanns

Es gibt in der Fußball-Bundesliga wohl keinen Verein, der so sehr in der Vergangenheit lebt wie Borussia Mönchengladbach. Das folgt fast zwangsläufig aus der glänzenden Geschichte des Vereins, die im Vergleich mit der grauen Gegenwart immer heller zu strahlen erscheint. Wenn Borussia Mönchengladbach ambitionierte Ziele verfolgt, soll es nicht einfach nur besser werden. Nein, es soll vor allem so schön werden, wie es früher war. Als Vogts grätschte, Simonsen dribbelte und Netzer utopische Pässe schlug. Ist es da nicht eine wunderbare Idee, Jupp Heynckes, einen der Helden der Vergangenheit, zum Trainer für die Gegenwart zu machen? Vermutlich nicht.

Vielleicht hätte sich die Vereinsführung einfach mal die Frage stellen sollen: Welchen Trainer brauchen wir eigentlich nach dem lieben Horst Köppel, der ohne Zweifel seine Verdienste hatte, aber immer auch ein wenig unbedarft wirkte? Borussia Mönchengladbach braucht einen Anti-Köppel: einen Trainer mit frischen Ideen; einen, der moderne Vorstellungen von Spiel und Training hat, ein klares taktisches Konzept verfolgt und die Sprache der jungen Spieler zumindest versteht. Alles in allem also das genaue Gegenteil dessen, wofür Jupp Heynckes steht. Selbst Rudi Assauer, modernistischer Umtriebe nicht gerade verdächtig, hat Heynckes nach dessen Entlassung in Schalke hinterhergerufen: „Er ist ein Trainer alter Schule und nicht mehr zeitgemäß.“

Das Problem ist: Im rückwärtsgewandten Mönchengladbach klingt das immer noch ein bisschen wie eine Verheißung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben