Sport : Mit den Stars auf Tour

In nur einer Saison gelingt dem deutschen Golfer Martin Kaymer der Aufstieg in die höchste Klasse

Hartmut Moheit

Berlin - Plötzlich wackelte Martin Kaymer doch ein wenig. Schon beim Putten auf dem 17. Grün war ihm das Par nicht mehr geglückt, aber deshalb hatte er die Führung beim Challenge-Turnier der Golfer in Toulouse nicht gleich verloren. Noch einen Bogey, einen Schlag über Par, das wusste der 21-Jährige aus Mettmann genau, durfte er sich am 18. Loch nicht leisten. Aber es passierte ihm doch, der Ball rollte am Loch vorbei. Kaymer verpasste den Sieg und bekam 11 000 Euro weniger. Dass seine Enttäuschung darüber nicht lange anhielt, das versteht nur, wer die Karriere des Martin Kaymer seit dem 21. Juni dieses Jahres verfolgt hat. An diesem Tag gelang dem Jungprofi aus dem Golf Team Germany bei der Habsburg Classic auf einem Par-72-Platz eine 59er- Runde. Einige Mitspieler sollen danach derart beeindruckt gewesen sein, dass sie nur noch gemurmelt haben: „Ich glaube, ich hör’ auf.“ Keinem deutschen Golfer war zuvor Gleiches gelungen, und international war nur der Japaner Shigeki Maruyama bei der Qualifikation zur US Open 2000 mit einer 58 besser. Der „deutsche Rekord“ lag bei 60 Schlägen, gehalten von Bernhard Langer und Tobias Dier.

Bis zu diesem Tag waren die bis dahin schon beachtlichen Ergebnisse von Martin Kaymer auf der drittklassigen EPD- Tour mehr oder weniger nur Insidern bekannt. Doch plötzlich sollte sich das alles ändern. „Ich hatte mir als Jahresziel gesetzt, mich mindestens als Fünfter in der Endabrechnung der EPD-Tour 2006, für die Challenge-Tour in der kommenden Saison zu qualifizieren“, sagt Kaymer. Eben in jener zweitklassigen Turnierserie spielen zu dürfen, die ein paar Monate danach einen neuen Star präsentieren konnte: Martin Kaymer. „Das hat es in 30 Jahren nicht gegeben, was ihm gelungen ist“, sagt Rainer Goldrian, Geschäftsführer der Professionals Golf Association (PGA) in Deutschland. Vom 24. August an, als Martin Kaymer beim Turnier in Odense in die Challenge-Tour 2006 einstieg, bis eben zu jenem 8. Oktober in Toulouse spielte er in nur sieben Turnieren 87 794 Euro ein und qualifizierte sich für die komplette Europa-Tour 2007. Dort wird er sich mit den Stars der Golfszene messen. Seine Kollegen aus Schweden und Wales benötigten mehr als 20 Turniere, um sich die Spielberechtigung für die Europatour zu holen. Nebenbei schob sich Kaymer als zweitbester Deutscher hinter Bernhard Langer auf Rang 165 der Weltrangliste. Das klingt nicht herausragend, bedeutet aber für einen jungen Mann mit seinen bisherigen Einsatzchancen einen riesigen Sprung.

„Dass er dieses Potenzial besitzt, haben wir geahnt, aber sein schneller Aufstieg überrascht uns ebenfalls“, sagt Reiner Goldrian. Kaymer ist der Erste, der aus dem Nachwuchsförderungsprojekt des Deutschen Golf-Verbandes herausragt. 100 000 Euro stehen jährlich für das Projekt zur Verfügung. Nicht viel im Vergleich zu Schweden oder Frankreich, wo die jungen Profis mit Millionenbeträgen unterstützt werden. Dennoch hat Martin Kaymer den Aufstieg geschafft. Er ist nunmehr die neue Hoffnung, dass der bald 50-jährige Bernhard Langer, der seit Jahrzehnten in der Weltspitze spielt, einen Nachfolger findet. Einst war es der Hamburger Sven Strüver, dem diese Rolle zugeschrieben wurde. Dann hoffte man auf Alexander Cejka, der derzeit dabei ist, seine Startberechtigung auf der US-Tour für 2007 zu verspielen. Schließlich blieb der Düsseldorfer Marcel Siem auf der Europa-Tour als einziger deutscher Stammspieler übrig.

Erklärungen, woher Kaymers plötzlicher Aufstieg kommt, fallen Rainer Goldrian nicht schwer: „Er ist psychisch extrem stabil, ist für sein Alter sehr abgeklärt – keine Flausen im Kopf, keine Allüren, keine Sprüche.“ Hinzu kommt, dass Kaymer fitter ist, als die meisten seiner Konkurrenten. „Er könnte nach 18 Löchern in sengender Hitze wohl noch einen Marathon laufen. Oder noch einmal 18 Löcher mit etwa 60 Schlägen spielen“, ist über ihn im deutschen „PGA-Magazin“ zu lesen. Beste Voraussetzungen für einen jungen Golfprofi, dessen Karriere jetzt erst richtig zu beginnen scheint. Vielleicht mit einem großen Ziel: Für 2018 hat sich die PGA of Germany um die Austragung des Ryder Cups beworben. Dann wird Martin Kaymer mit 33 Jahren im besten Golfer-Alter sein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben