• Mit der 1:2-Niederlage vergeben die Berliner die erste große Chance, sehr schnell zu sehr viel Geld zu kommen

Sport : Mit der 1:2-Niederlage vergeben die Berliner die erste große Chance, sehr schnell zu sehr viel Geld zu kommen

Frank Bachner

Manchmal erinnert Dieter Hoeneß an einen dieser Arbeitselefanten. Die senken den Kopf, schütteln ihn ab und zu und trotten mit schwerfälligen Schritten vorwärts. Am Sonnabend, 17 Uhr 17, senkte Hoeneß den Kopf, schüttelte ihn bedächtig und trottete dann schwerfällig auf den Platz im Münchner Olympiastadion. Dann nahm er Marko Rehmer in den Arm und zeigte zur Kurve. Dann nahm er Anthony Sanneh in den Arm und zeigte zur Kurve. Dann nahm er noch einen Hertha-Spieler in den Arm und noch einen, und immer zeigte er zur Kurve. irgendwann trotteten die Berliner Profis hintereinander zur Kurve, mit den gleichen schwerfälligen Schritten, mit denen ihr Manager auf den Platz gekommen war. Eine Gruppe Arbeitselefanten, denen das Leittier die Richtung gewiesen hatte. In der Kurve standen die Hertha-Fans und schwenkten Fahnen und klatschten und wussten eigentlich nicht so recht, warum.

Feiert man eine 1:2-Niederlage gegen München 1860? Feiert man den Verlust eines Qualifikationsplatzes für die Champions League? "Meine Mannschaft hat von Beginn an gezeigt, dass sie gewinnen möchte", verkündete ein Trainer später, ein volles Bierglas zur Linken. Dummerweise kam diese Spielanalyse nicht vom Berliner Übungsleiter Jürgen Röber, sondern von seinem Münchner Kollegen Werner Lorant.

Für die Berliner ging in München nicht bloß ein Spiel verloren. In München verpasste Hertha die Chance, aus eigener Kraft die Qualifikation zur Champions League zu erreichen. Hertha hatte einen Geldsack mit Millionen Mark gefüllt in Sichtweite und machte nicht den entscheidenden Schritt vorwärts. Aus eigener Kraft kann die Mannschaft jetzt nur noch einen Platz im Uefa-Cup erreichen. Der kurzfristige Ausbau Herthas zu einer Spitzenmannschaft ist jetzt in Gefahr. Ohne gesicherte Millionen-Einnahmen kann Hoeneß keine echte Verstärkung kaufen.

War der Druck für die Berliner zu groß? Zwei Wochen lang hatten sie Zeit, sich auf dieses Spiel vorzubereiten. Sie nutzten die zwei Wochen, um den Beweis zu führen, dass zu einer echten Spitzen-Mannschaft noch viel fehlt. Genügend Cleverness zum Beispiel. Oder umfassendes Selbstbewusstsein. Dieses Spiel wurde in der ersten Halbzeit verloren, als Hertha die Münchner durch die Taktik des freiwilligen Rückzugs erst richtig aufbaute.

Jürgen Röber lobte zwar seine Mannschaft so leidenschaftlich für deren Leistung in der zweiten Halbzeit, als müsste er Stefan Raabs "Waddehaddedudeda" als Beitrag zur anspruchsvollen Musikgeschichte verkaufen, aber das war nicht mehr als Schadensbegrenzung. "Wir haben teilweise glänzend kombiniert und sehr gut gespielt", sagte Röber. Deisler? "Überragend." Wosz? "Hat sehr gut gespielt, war immer anspielbar." Auf Nachfragen räumte Röber dann ein, dass von Wosz in dieser verhängnisvollen ersten Halbzeit "nicht viel zu sehen war". Das Duell der beiden Spielmacher verlor er unter den Augen von Teamchef Erich Ribbeck gegen den Münchner Thomas Häßler um Längen. Das lag auch an Pal Dardai, der Häßler eigentlich hätte ausschalten sollen. Beim vorentscheidenden Tor zum 2:0 hatte Häßler so viel Platz, dass er Purzelbäume hätte schlagen können. Und Alex Alves, der Brasilianer? Der war allenfalls ein Mitläufer. Er bereitete den Anschlusstreffer durch Ali Daei vor. Es war die beste seiner wenigen Taten.

Aber noch hat Hertha ja Chancen auf Platz vier. München 1860 muss am Sonnabend in Kaiserslautern verlieren, Hertha zur gleichen Stunde gegen Dortmund gewinnen. Und Thomas Häßler hilft dabei. Irgendwann muss er sich daran erinnert haben, dass er aus Berlin stammt. So etwas verbindet ja. Prompt ließ er sich am Sonnabend die Gelbe Karte zeigen. Es war bereits seine fünfte in der laufenden Saison, sodass er am letzten Spieltag automatisch gesperrt ist. Die Löwen hat er damit erheblich geschwächt. Und Herthas Chancen vergrößert.

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