Sport : Mit der Härte des Gesetzes

Bundesinnenminister Schäuble will im Kampf gegen Doping auch das Bundeskriminalamt einsetzen

Robert Ide[Weimar]

Der Staat wird sich künftig stärker in den Kampf gegen Doping einschalten. Das kündigte Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) am Samstag in Weimar an. „Wir müssen alles tun, um den Sport von dieser Seuche zu befreien“, sagte Schäuble in einer energischen Rede auf der Mitgliederversammlung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). Der für Sport zuständige Minister strebt jetzt eine Ausweitung des Arzneimittelgesetzes an, um „banden- und gewerbsmäßigen Medikamentenmissbrauch zum Zwecke des Dopings“ zu verfolgen. Neben Telefonüberwachungen und Hausdurchsuchungen sollen auch die Ressourcen des Bundeskriminalamtes (BKA) genutzt werden, „um erfolgreicher und effizienter vorzugehen“.

Zu diesem Zweck müsste jedoch das BKA-Gesetz geändert und auf die Dopingbekämpfung ausgeweitet werden. Bedingung dafür sei allerdings, dass die Bundesländer einen Teil der Verfolgungsbefugnisse ihrer Polizeien abgeben, heißt es aus Regierungskreisen. Für ein zentrales Vorgehen spricht, dass sich in den Ländern die Bildung von Schwerpunktstaatsanwaltschaften seit Jahren erfolglos hinzieht. So forderten etwa Vertreter Bayerns einen stärkeren Einsatz des Staates im Anti-Doping-Kampf, lehnten aber die Einrichtung einer dafür zuständigen Staatsanwaltschaft ab. „Wir müssen und werden das Angebot des Ministers zum Schulterschluss von Sport und Staat im Kampf gegen Doping annehmen“, sagte DOSB-Präsident Thomas Bach nach der Versammlung.

Nach dem Willen Schäubles soll sich die Strafverfolgung in Zukunft auch auf die Sportler erstrecken. „Wir werden alle bestrafen, die an kriminellen Netzwerken beteiligt sind“, kündigte Schäuble an. „Viele Athleten sind nicht Opfer anonymer Mächte, sie können auch Anstifter und Teilnehmer eines Netzwerkes sein.“ Wann ein Sportler einzeln handelt und wann er als Teil eines kriminellen Netzwerkes verfolgt und bestraft werden kann, wird die spannende Frage im Gesetzgebungsverfahren sein. Der Minister kündigte unter anderem an, Blutdoping in den Katalog der verbotenen Mittel aufzunehmen. Außerdem sollen Medikamente gekennzeichnet werden, die Dopingmittel beinhalten.

Die DOSB-Versammlung beschloss bei einer Enthaltung einen Aktionsplan gegen Doping, der eine bessere Zusammenarbeit zwischen Staat und Sport vorsieht. Die Verbände von Leichtathletik, Radsport und Triathlon stimmten dem Plan allerdings nur unter Vorbehalt zu, da er keine Bestrafung des Besitzes von Dopingmitteln vorsieht. „Viele Athleten haben uns trotz unseres Kontrollsystems hintergangen, darum müssen wir den Kampf gegen Doping mit der Besitzstrafbarkeit auf neue Füße stellen“, sagte Leichtathletik-Chef Clemens Prokop in der Diskussion. Und Radsport-Präsident Rudolf Scharping fragte: „Warum sollen wir Leute nicht verfolgen, in deren Auto bei einer Polizeikontrolle ein Kofferraum voller Medikamente gefunden wird?“ Die Befürworter blieben allerdings in der Minderheit. Und auch Schäuble mochte sich der Forderung einer Besitzstrafbarkeit nicht anschließen. „Der Besitz geringer Mengen an Drogen ist ja auch nicht immer strafbar“, sagte Schäuble auf Nachfrage. Deshalb sei es schwierig, auch geringe Dopingmengen zu bestrafen. „Das heißt aber nicht, dass wir den Kampf gegen die Dopingmafia nicht mit der gleichen Entschiedenheit angehen wie den Kampf gegen die Drogenmafia“, ergänzte Schäuble.

Die Rede des Ministers könnte dem Sport nun eine neue Richtung im Kampf gegen Doping weisen – und nebenbei die über die Besitzstrafbarkeit in Streit geratenen Lager zusammenführen. Ausläufer der heftigen Debatte waren noch in der Ansprache von DOSB-Präsident Bach zu erkennen, der sich gegen den Vorwurf verwahrte, der Sport habe bislang zu wenig gegen Doping getan. Bach sprach von „diffamierender Kritik“ und – mit Blick auf den Vorschlag, dem Sport öffentliche Fördermittel zu kürzen, sollte er keinen Erfolg im Anti-Doping-Kampf haben - von „überschrittenen Toleranzgrenzen“. Bei manchem Zuhörer stieß das auf Unverständnis. „Wenn einer in so einer guten Position ist wie Herr Bach, kann er doch locker und entspannt sein“, sagte Peter Danckert, der Chef des Sportausschusses im Bundestag. Der SPD-Politiker hatte sich im Gegensatz zu Bach für eine Besitzstrafbarkeit stark gemacht. Die Debatte beginnt nun auch für ihn von vorn – bereits am Mittwoch will der Sportausschuss über das Thema beraten.

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