Mit der Hoffnung spielen : Irans Fußballerinnen doch nicht nach Berlin

Annette Kögel

Berlin – Zwei kleine Worte brachten eine eigene Welt zum Einsturz. „Technical problems“ – technische Probleme sind der offizielle Grund dafür, dass die Frauenfußball-Nationalelf Irans nun doch nicht zum heute angesetzten Freundschaftsspiel nach Deutschland kommt. Der Präsident des iranischen Fußballverbandes, Mehdi Mohammed Nabi, schrieb das in einer Mail an Spielerin und Organisatorin Marlene Assmann. Als die Frauen des Kreuzberger Verbandsligateams Al-Dersimspor dann zurückschrieben, ob man nicht doch noch etwas machen könnte, „wurde uns unmissverständlich deutlich gemacht, dass wir da keine Energie mehr reinstecken sollen“, sagte Assmann gestern.

Mehr als 150 Journalisten aus aller Welt waren für das erste Auswärtsspiel der Iranerinnen im Westen akkreditiert, das heute um 18.30 Uhr im Kreuzberger Katzbachstadion stattfinden sollte. „Die Resonanz hat uns überwältigt“, sagt Teamsprecherin Silke Gülker. Mehr als 2000 Tickets waren für das Rückspiel nach der ersten Partie in Iran 2006 bereits verkauft. Dann begann das Hin und Her: Erst hieß es, die Delegation mit 20 Spielerinnen und zwölf Offiziellen käme sogar einen Tag früher an – schnell buchte das Organisationsteam des kleinen Vereins alles einen Tag früher: Hotel, Bus, Sicherheitskräfte. Und dann, Mittwochabend: das Aus. „Wir sind alle entsetzt, traurig und enttäuscht“, sagt Spielerin Friederike Schmidt. Ganz abgesehen von den Ausfallkosten, laut Vereinsmitglied Gürsel Yildiz „im fünfstelligen Bereich“.

Was hinter der offiziellen Erklärung steckt, darüber wolle man nicht spekulieren, sagte Silke Gülker. Die Visa seien nach Auskunft der iranischen Botschaft in Berlin rechtzeitig erteilt worden; das Organisationsteam des Vereins habe nie ein Wort der Kritik gehört.

So wird nun in der Kabine diskutiert, was Gründe für die Absage sein könnten. Womöglich Rache für die Sanktionen des Westens gegenüber Iran? Dass hierzulande Männer, anders als in Iran, Frauenspiele im Stadion verfolgen dürfen, sei mit dem Verband abgesprochen gewesen, sagt Gülker. Sicher missfiel den Offiziellen die angekündigte kleine Demonstration von Exil-Iranern für Demokratie und Menschenrechte vor dem Stadion. Vielleicht war es die Sorge über die Berührung mit dem Westen – in Iran werden Homosexuelle zum Tode verurteilt, hier hat die eine oder andere Spielerin offen eine Freundin statt eines Freundes.

Die stets verhüllt spielenden Frauen aus Teheran, die an Fifa-Spielen nicht teilnehmen dürfen, weil kurze Hosen auf dem Feld vorgeschrieben sind, gehen jetzt davon aus, dass das Spiel nur um eine Woche verschoben wurde. Dieser Termin wäre jedoch aus organisatorischen Gründen gar nicht realisierbar, sagt Silke Gülker. Die Grünen-Fraktion im Abgeordnetenhaus hat nun Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit aufgefordert, sich für die Austragung des Spiels stark zu machen und den Spielerinnen aus Teheran „durch einen Empfang im Roten Rathaus zu verdeutlichen, welchen Stellenwert der Frauenfußball im Land der Weltmeisterinnen besitzt“.

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