Sport : Mit der Kraft der Ruhe

Die Eisbären sehen sich zum Auftakt der Play-off-Halbfinalserie gegen Ingolstadt im Vorteil

Claus Vetter

Berlin - Pierre Pagé fuchtelt mit seinem Eishockeyschläger durch die Luft. Seine Spieler nehmen Aufstellung am Bullykreis und lauschen ihrem Trainer. „McDonald ist hier, da vorne ist der Sturm und der Torpedo kommt von hinten“, sagt er. Was wie Trainerlatein klingt, ist die Warnung vor den Angriffen der schnellen Stürmer aus Ingolstadt. Das ist der Kontrahent der Berliner im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Heute empfangen die Eisbären Ingolstadt zum ersten Heimspiel in der „Best of five“-Serie (19.30 Uhr, Sportforum).

In der Vorsaison schlugen die Berliner die Bayern im Halbfinale ohne großen Aufwand in drei Spielen. Das ist ein Jahr her und doch schon weit weg, findet Eisbären-Stürmer Florian Keller. „Weil die viel stärker als letzte Saison sind“, wie er sagt. Das bestreitet keiner. Vier Spieler aus der – zurzeit pausierenden – nordamerikanischen Profiliga NHL konnte der Klub mit dem Beinamen „Panther“ damals nicht aufbieten. Nun sind die Stürmer Marco Sturm, Jamie Langenbrunner und Andy McDonald dabei sowie der Verteidiger Aaron Ward. Große Namen im Eishockey.

Doch von großen Namen wird nun mal auch Großes erwartet. Das musste auch Nationalspieler Marco Sturm nach dem letzten Spiel der Ingolstädter in der Viertelfinalserie gegen Köln eingestehen, das die Bayern am Mittwoch 5:2 gewannen. „Wären wir gegen Köln ausgeschieden, hätte die Saison für Ingolstadt ein enttäuschendes Ende genommen.“ Denn mit den Stars aus der National Hockey League, die bei einem Ende des Arbeitskampfes in Nordamerika womöglich im kommenden Jahr nicht mehr für Ingolstadt spielen werden, geht es um viel, wie Ingolstadts Trainer Ron Kennedy weiß. „Wir werden eine bessere Rolle spielen als letztes Jahr“, sagt der Kanadier.

Bei den Eisbären denkt niemand daran, dass die Saison schon im Halbfinale zu Ende gehen könnte. „Ingolstadt wird am Freitag müde sein“, sagt der Berliner Mannschaftskapitän Steve Walker. „Wir hatten fünf Tage Pause, die haben noch am Mittwoch gespielt, diesen Vorteil müssen wir ausnutzen.“ Einen Vorteil könnten die Eisbären auch auf der Torhüterposition haben. Zwar wurde Ingolstadts Jimmy Waite von einem Fachmagazin wieder einmal zum besten Torhüter der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gekürt, doch der Kanadier wurde dieser Auszeichnung zuletzt nicht gerecht. Waite könnte ein Unsicherheitsfaktor bei den Bayern sein, ganz anders als Olaf Kölzig im Berliner Tor. Nachdem dieser drei Spiele wegen einer Knieverletzung pausieren musste, ist er zuversichtlich, dass sein heutiger Arbeitstag glücklich verläuft. „Wir schaffen das“, sagt Kölzig. „Außerdem hat der Marco Sturm schon in der NHL gegen mich nicht oft getroffen.“ Dort spielte Sturm für die San José Sharks, Kölzig hütete das Tor der Washington Capitals.

Zwar wollen sie sich bei den Berlinern nicht nur auf Sturm, Langenbrunner und McDonald konzentrieren, doch beim gestrigen Training war manche Übung auf dieses Sturmtrio zugeschnitten. Zu Recht, wie Walker findet. „Beim ersten Spiel in Berlin hat McDonald drei Breakchancen gehabt und zwei Tore geschossen“, sagt er. „Das darf nicht noch einmal passieren.“ Was nicht ganz stimmt. Wenn die Eisbären siegen, wie in ihren beiden Heimspielen der Hauptrunde gegen Ingolstadt, darf sogar das passieren.

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