Sport : Mit der Magie im Bunde

Das Überraschungsteam Ulm will in Berlin zaubern.

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Berlin - Zunächst einmal trugen sie die Bundeslade in den neuen Tempel. Es waren aber keine Israeliten, die die Kiste mit den zehn Gebotstafeln gefüllt hatten, um ihre Verbundenheit mit einer höheren Macht auszudrücken. Dennoch ging es um Übernatürliches. Der Geist der alten Kuhberghalle wurde in der Kiste feierlich in die neue Arena in Neu-Ulm getragen. Gefüllt war die Kiste mit Trikots, Andenken der Fans, auch die Taktiktafeln des Trainers waren darin. „Der Spirit wurde sozusagen in die neue Halle übertragen“, erzählt Ulms Coach Thorsten Leibenath. Der Zauber funktionierte: 101:83 fegten die Ulmer die Spitzenmannschaft Oldenburg aus der neuen Halle.

Auch sonst scheint beim Überraschungsteam der Saison Magie im Spiel zu sein: Punktgleich mit Meister Bamberg führt der Vorjahres-14. die Bundesliga-Tabelle an. Alba Berlin, das ein Spiel weniger bestritten hat, könnte heute beim Heimspiel gegen die Ulmer (19 Uhr, Arena am Ostbahnhof) mit einem Sieg erstmals die Spitzenposition erklimmen, weil Bamberg spielfrei hat. Genauso gut könnte Ulm allein von oben aufs gelobte Basketball-Land schauen. Denn Ulm ist auch in der Auswärtstabelle wie Berlin spitze.

Dabei ist Trainer Leibenath eigentlich gar nicht abergläubisch. „Aber ich glaube, dass man mit einer positiven Überzeugung, egal woher die kommt, erfolgreich sein kann“, sagt der 36-Jährige. Die überträgt er gleich auf die Berlin-Reise. „Wir wollen nicht nur mithalten und kommen nicht für einen Weihnachtsausflug.“

Der Trainer, der vom Zweitligisten Osnabrück kam, ist moderner Methodik sehr wohl aufgeschlossen. Er hat das Buch „Führungs-Spiel“ des ehemaligen Hockey-Bundestrainers Bernhard Peters gelesen, vor Saisonbeginn ging er mit seinem Team zur mentalen Vorbereitung auf die Hallen-Baustelle und zeichnete eine Erfolgspyramide auf. Darauf stehen Ziele und Unterziele, wie: Wenn wir zehn Offensiv-Rebounds holen, erhöht das die Chance auf den Sieg. Jeder Sieg erhöht die Chance, das Saisonziel zu erreichen. Das lautet: möglichst positive Heim- und Punktebilanz und eine bessere Platzierung als im Vorjahr. „Mit mehr beschäftige ich mich nicht“, sagt Leibenath. Doch Alba-Manager Marco Baldi glaubt, „dass Ulm bis zum Schluss oben dabei sein kann“.

Das liegt auch an der neuen 6000-Zuschauer-Halle, die den Etat fast verdoppelte, auf drei Millionen Euro. „Ohne die Halle hätten wir die beiden nicht halten können“, sagt Leibenath über seine Leistungsträger, den 135-Kilo-Center John Bryant und Nationalspieler Per Günther, „und sie erhöht unsere Chancen, sie weiter zu halten.“ Und das ganz ohne Magie.

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