Sport : Mit deutscher Gründlichkeit

Die Niederlande bezwingen die Slowakei mit 2:1 dank ihrer Effizienz – und Arjen Robben

Frank Hellman[Durban]

Maarten Stekelenburg verspürte nicht die geringste Neigung, nach nur 18 Spielminuten auch noch nach vorne zu hetzen. Lieber trat der Pragmatiker zwischen den Pfosten ein paar Schritte zurück hinter die Torlinie, um an einer Trinkflasche zu nippen. Die Gratulationstour rechts draußen vor der Haupttribüne im Moses-Mabhida-Stadion von Durban erledigten in diesem Moment alle anderen. „Ich wollte ihm nicht auch noch den Kopf streicheln, er hat ja nicht mehr so viele Haare“, erklärte der Schlussmann seine Enthaltsamkeit bei der Jubel-Arie der Holländer, die nach dem 2:1 (1:0) gegen die Slowakei wieder einen besonders lieb hatten: Arjen Robben.

Der trotz eigener Bedenken nach seinem vor 23 Tagen erlittenen Muskelfaserriss in die Anfangself beorderte Star des FC Bayern stellte mit seinem Tor zum 1:0 die Zeichen aufs Weiterkommen. Die späteren Tore durch Wesley Sneijder und der Elfmeter des ehemaligen Nürnbergers Robert Vittek in der Nachspielzeit waren irgendwie als Zugabe eines nur bedingt aufregenden Achtelfinals zu begreifen. „Es war für mich schön, von Anfang an zu beginnen“, sagte Robben, „wir haben nicht unseren besten Fußball gezeigt, aber ich bin richtig glücklich.“ Zumal der 26-Jährige zum besten Spieler gekürt wurde, weil er bis zur Auswechslung nach 71 Minuten an jeder torgefährlichen Szene beteiligt war.

„Ich bin noch nicht auf meinem Toplevel, aber mein Kopf ist frei und wir sind eine Runde weiter“, sagte er. Eigentlich sollten seine Finten und Finessen weltweit bekannt sein, trotzdem ließen sich die slowakischen Bundesliga-Kollegen, Hannovers Jan Durica und der Mainzer Radoslav Zabavnik, bei der Schlüsselszene vorführen. „Ich habe nur auf den richtigen Moment zum Schuss gewartet“, sagte Robben. Er war auf der rechten Seite nach innen gezogen und schoss den Ball an der Strafraumgrenze mit links ins Tor.

Der slowakische Nationalcoach Vladimir Weiss hatte das über den rechten Flügel herannahende Unheil beim Blick auf die Aufstellung kommen sehen, „Arjen Robben macht die niederländische Mannschaft um 50 Prozent stärker“, sagte er. Gemach, entgegnete Bondscoach Bert van Marwijk: „Arjen gibt uns vielfältige Möglichkeiten, aber meine Mannschaft ist mehr.“ Doch für was steht sie eigentlich? Zurzeit für ein Team, das mit ehemals als deutsche Tugenden geltenden Eigenschaften spielt und siegt. Unaufgeregt, unspektakulär. 2:0, 1:0, 2:1, 2:1, sind die Resultate dieser WM. Beide Gegentore resultieren aus Elfmetern.

Großen Anteil daran trägt der 27-jährige Torwart Stekelenburg, der nach 67 Minuten zwei Paraden zeigte, die mindestens ebenso oft wiederholt werden müssten wie Robbens Linksschuss. Er ist auch ein Grund dafür, dass Marwijk auf die Frage nach den eigenen WM-Zielen antworten kann: „Wir sind in Südafrika, um den großen Preis zu gewinnen.“ Der nächste Beweis dafür ist am Freitag im Viertelfinale von Port Elizabeth gegen Brasilien zu erbringen. Oder wie Robben sagt: „Das perfekte Spiel muss erst noch kommen.“

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