• Mit einer Investition von 45 Millionen Mark in neue Spieler will Borussia um Titel spielen

Sport : Mit einer Investition von 45 Millionen Mark in neue Spieler will Borussia um Titel spielen

Stefan Hermanns

Die Kölner Sportjournalisten haben einen neuen Lieblingsfußballer. Christian Timm heißt der junge Mann, ist 20 Jahre alt, Stürmer und hat bisher 30 JuniorenLänderspiele bestritten. In ihrer jüngsten Sonntagsausgabe hat der Kölner "Express" Timm zum "neuen Stürmerstar" erkoren.

Michael Meier, Manager von Borussia Dortmund, hält ebenfalls eine Menge von Timm. Wenn er die großen Erfolge der Jugendarbeit seines Vereins verdeutlichen will, nennt Meier neben den Profis Lars Ricken, Vladimir But und Ibrahim Tanko auch Christian Timm. Das Problem ist nur: Timm spielt gar nicht mehr bei der Borussia. Vor der Saison ist er zum 1. FC Köln in die Zweite Liga gewechselt. Die Dortmunder hätten ihn gerne erst einmal nur ausgeliehen. Timm wollte nicht. Er hatte Angst, "dass ich nach einem Jahr hier wieder rausgerissen werde".

Am vergangenen Wochenende hat Timm im DFB-Pokal vier Tore geschossen. "Das werden nicht die letzten sein", sagt Michael Skibbe. Als er noch die A-Jugend der Dortmunder trainierte, hat Skibbe Timm vom SV Westerholt zum BVB geholt. Trotzdem konnte er Timm nicht davon überzeugen, in Dortmund zu bleiben. "Ein, zwei, drei Einsätze pro Saison, damit kann ich mich nicht zufrieden geben", sagt Timm. Eine weitere Spielzeit in Dortmund, das wäre "ein verschenktes Jahr" gewesen.

Die Konkurrenz im Sturm ist schier übermächtig: Victor Ikpeba, Fredi Bobic, Heiko Herrlich, Sergej Barbarez, Ibrahim Tanko, Giuseppe Reina und jetzt auch noch Andreas Möller - alles große Namen. Michael Skibbe, der im zweiten Jahr die Dortmunder trainiert, sagt: "Nur aus vielen guten Spielern kann auch eine wirklich gute Mannschaft werden." Dazu hat der Verein investiert wie kein anderer in Deutschland. 45 Millionen Mark gaben die Dortmunder für neue Spieler aus. Das Ziel: "Wir wollen nicht dabei zuschauen, wie andere um Titel spielen", sagt Skibbe. "Wir wollen selber um Titel spielen." Den Grundstein könnten die Dortmunder heute mit einem Sieg im Qualifikations-Hinspiel in Teplice legen.

Vorwärts in die glorreiche Vergangenheit. In Dortmund soll eine Mannschaft entstehen, "die in der Lage ist, an die Erfolge der 90er Jahre anzuknüpfen", sagt Manager Meier. Die Methode, die die Dortmunder auf dem Weg zu diesem Ziel voran bringen soll, ist dieselbe, die bereits einmal von Erfolg gekrönt war: Für Flemming Povlsen zahlte der BVB schon Anfang der neunziger Jahre mehr als vier Millionen Mark an den 1. FC Köln. Später kamen Matthias Sammer, Stefan Reuter, Andreas Möller, Julio Cesar, Paulo Sousa und zahlreihe andere für viel Geld. Dennoch galten die Dortmunder immer als der ehrliche Arbeiterverein, als der Gegenentwurf zu den reichen und schnöseligen Bayern aus München. Doch das hat schon damals nicht gestimmt. Borussia Dortmund war, wenn überhaupt, lediglich die Fortsetzung des FC Bayern mit anderen Mitteln. "Wir wollen der Mannschaft wieder ein neues Gesicht geben". sagt Manager Meier. Von den Spielern, die 1997 beim Gewinn des Europapokals in der Anfangsformation standen, sind nur noch drei dabei: Andreas Möller, Jürgen Kohler und Stefan Reuter. Die bange Frage aber ist, ob den Dortmunder Fans das neue Gesicht überhaupt gefällt.

Am vergangenen Wochenende kehrten viele ehemalige BVB-Helden noch einmal auf den Rasen des Westfalenstadions zurück, um zum Abschied von Michael Zorc gegen die aktuelle Borussen-Mannschaft anzutreten. Knut Reinhardt, ein nur mäßig begabter Fußballer, wird von den Fans immer noch bei jedem Ballkontakt mit kaugummilangen Knuuuuut-Rufen gefeiert. Schwer vorstellbar, dass Sergej Barbarez, Heiko Herrlich oder Jens Lehmann eines Tages ähnliche Wertschätzung zu Teil werden wird. "Das Publikum ist dankbar, dass Borussia Dortmund nicht nur geredet, sondern auch gehandelt hat", sagt Manager Meier. Zur Halbzeit des Zorc-Abschiedsspiels witzelten die Dortmunder Sportjournalisten jedoch, dass es wohl besser sei, am nächsten Wochenende die Veteranen und nicht das aktuelle Team zum Bundesliga-Start nach Kaiserslautern zu schicken.

Manager Meier sieht die Vereinspolitik "völlig im Einklang mit dem, was das Publikum hier will". Doch schon im letzen Jahr war das Verhältnis zwischen Fans und Mannschaft nicht mehr uneingeschränkt harmonisch. Das Publikum murrte auffallend oft. Dabei beendete die Mannschaft die Spielzeit als Tabellen-Vierter. Im Jahr zuvor war sie Zehnter geworden. Leicht auszumalen, was geschieht, wenn Dortmund mit teuren Zugängen in diesem Jahr nicht ernsthaft um den Titel mitspielt. "Borussia Dortmund lebt nicht von einer Saison", sagt Meier. Trotzdem: "Es ist klar, dass eine solche Situation möglichst zu verhindern ist".

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