Sport : Mit einer leeren Hand

Die Bayern kassieren in der Nachspielzeit das 1:1 bei Schalke 04 und stehen nicht mehr auf Platz eins

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Es schien alles klar zu sein. Bayern München würde zum ersten Mal nach fünf Jahren wieder auf Schalke gewinnen und selbstverständlich Tabellenerster der FußballBundesliga bleiben. Dank eines Tors von Roque Santa Cruz führten die Bayern im Grunde ungefährdet. Doch dann kam die dritte Minute der Nachspielzeit – und alles wurde anders. Der Schalker Stürmer Sören Larsen ging im Luftkampf mit Bastian Schweinsteiger zu Boden. Schiedsrichter Michael Weiner aus Gießen nahm das Spiel nun in die Hand und interpretierte in diesen Verdrängungswettbewerb ein Foul des Münchners hinein: Elfmeter. Larsen nutze den Strafstoß, der keiner war, zum Ausgleich. „Das war eine Konzessionsentscheidung“, räumte der Schalker Manager Rudi Assauer ein. Zuvor hatte Weiner ein Foul an Lincoln nicht geahndet.

Beim 1:1 in Gelsenkirchen verlor der FC Bayern so einiges: zwei von drei sicher geglaubten Punkten, und eine Minute nach dem Gegentreffer auch noch Martin Demichelis. Nach dessen Foul an Gustavo Varela ließ Weiner abermals Strenge walten und verwies Demichelis des Feldes. Und noch etwas haben die Bayern verloren: den Spitzenplatz in der Tabelle, die nun von Werder Bremen angeführt wird. „Das Ergebnis geht letztlich in Ordnung, obwohl wir die Möglichkeit hatten, das 2:0 zu machen“, sagte Felix Magath, der Trainer des FC Bayern. „Wir haben es uns selbst zuzuschreiben, dass wir mit nur einem Punkt die Arena verlassen.“ Sein Personal habe sich „in der zweiten Halbzeit zu sehr auf die Defensive konzentriert“. So konnten die spielerisch unterlegenen Westfalen spät, aber aus ihrer Sicht gerade noch rechtzeitig verhindern, dass ihr zumeist zaghaftes Auftreten mit der ersten Saisonniederlage bestraft wurde.

Schon bevor der Ball rollte, hatte es schlecht ausgesehen für Schalke. Kapitän Frank Rost verlor die Seitenwahl. Die Heimelf musste schon in der ersten Hälfte auf das von ihr bevorzugte Tor vor der Nordkurve spielen. Dort hatte Bayern-Schlussmann Oliver Kahn zwar eine geifernde Meute im Rücken, im Übrigen aber zumeist seine Ruhe. Seine Vorderleute hielten die Schalker Offensivkräfte, die als solche kaum zu erkennen waren, auf Distanz. Die „Königsblauen“ folgten nur kurz der Weisung ihres Vorgesetzten. „Wir wollten früh stören“, sagte Trainer Ralf Rangnick, „das haben wir zehn Sekunden lang sehr gut gemacht.“ Zu kurz, um den Gegner einzuschüchtern.

Anders die Bayern: Sie zeigten sich zunächst entschlossen, ihre Serie von sechs Niederlagen in der Arena zu beenden. Santa Cruz nutzte eine von vier Chancen vor der Pause zum Führungstor (19. Minute); er drückte eine Flanke von Zé Roberto unbehelligt aus wenigen Metern Entfernung über die Linie. Zé Roberto hatte allerdings im Abseits gestanden, als er von Sebastian Deisler angespielt wurde. Roy Makaay hätte den Vorsprung ausbauen können, verfehlte aber das Ziel.

Während die Bayern forsch nach vorne spielten, wirkten die Gelsenkirchener gehemmt und unproduktiv. Regisseur Lincoln, der kreative Kopf, hatte weder Spielraum noch einen Geistesblitz. „Das war nicht sein Tag“, sagte Rangnick. Demichelis störte die Kreise des Brasilianers. So quälten die Schalker sich mühsam durchs Mittelfeld und mussten meist in sicherer Entfernung zum gegnerischen Strafraum wieder kehrtmachen. Torchancen brachten sie so gut wie gar nicht zustande.

Nach der Pause fassten die Schalker Mut und trauten sich häufiger nach vorn. Obwohl der Druck zunahm, vermochten sie die Bayern zunächst nicht zu Fehlern zu zwingen. Die Abwehr des Deutschen Meisters war nun häufiger gefordert, aber nicht überfordert. Wie so oft begnügten die Münchner sich aber damit, einen knappen Vorsprung zu verteidigen und Kraft für die nächste Partie in der Champions League (Dienstag gegen Juventus Turin) zu sparen. Diese Rechnung ging diesmal nicht auf. In der Nachspielzeit kam die einzige Stärke zum Tragen, die Schalke am Samstag zu bieten hatte: Geduld.

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