Sport : Mit einer Medaille zu den Profis

Erik Eggers

Athen - Es ist der dritte Auftritt in der Olympic Boxing Hall im Athener Stadtteil Peristeri, und Witali Tajbert zelebriert ihn auf seine Weise. Als ihn der Hallensprecher vor rund 2000 Zuschauern aufruft, stürmt er in den Ring. Wie ein aufgedrehtes Spielzeug bewegt er sich, nur dass die Frequenz seiner tänzelnden Beine nie geringer wird. Unablässig dreht er Pirouetten um sich selbst, ein Kreisel vorwärts, einer rückwärts, und dabei jagen seine Boxhandschuhe bereits einen imaginären Gegner. Als der 22-Jährige in seiner Ecke ankommt, kann ihm sein Heimtrainer Valentin Silagy kaum ausweichen. Es ist nur der Auftakt zu einer weiteren Demonstration seiner Stärke: Am Ende dieses Viertelfinals im Federgewicht gewinnt der Stuttgarter mit 34:26 Punkten gegen den Kubaner Luis Franco Vasquez und hat damit die Bronze-Medaille sicher. „Es geht noch weiter, wir können noch glücklicher werden“, sagt der Mann vom Velberter VC 22 nach dem Sieg, „wir wollen ja um Gold kämpfen, nicht um Bronze“.

Die Zuschauer sahen kein kühles, nüchternes Distanzboxen und kein sachliches Taktieren, sondern ein Trommelfeuer. Tajbert nutzte seine Reichweitenvorteile und gewann die erste Runde mit 7:4-Punkten, damit konnte er das geplante Vorhaben, mit einer Führung im Rücken zu kontern, in die Tat umsetzen. „Witali hat taktisch diszipliniert und clever geboxt“, sagte Bundestrainer Helmut Ranze. Im Halbfinale am Freitag wartet der Nordkoreaner Song Guk Kim auf Tajbert.

Der seit 1992 eingedeutschte Kasache besitzt bereits einen Vorvertrag als Profi beim Hamburger Boxstall Universum. Ein Nachrichtenmagazin hat ihn neulich als Prototyp des unbeschwerten und furchtlosen Athleten beschrieben. Das bescherte ihm zwar die gewünschte Öffentlichkeit, aber der Ruhm hat auch Schattenseiten. „Bei den ersten Kämpfen war ich noch frischer“, sagte der Vize-Weltmeister von 2003 und Europameister von 2004, „jetzt bin ich ein bisschen unter Druck.“ Als künftiger Professional wird sich der Hochgeschwindigkeitsboxer aus dem Schwabenland daran gewöhnen müssen.

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