Sport : Mit Emotionen, ohne Kiraly

Hertha BSC muss gegen Nürnberg auf seinen Stammtorwart verzichten. Dieser wurde für ein Spiel gesperrt

NAME

Von André Görke

Berlin. Am Freitagabend kam das Urteil aus Frankfurt am Main: Gabor Kiraly wird vom Sportgericht des Deutschen Fußball- Bundes (DFB) wegen unsportlichen Verhaltens für ein Spiel gesperrt und muss 5000 Euro Strafe zahlen. Der Torhüter des Bundesligisten Hertha BSC hatte bei der 0:1-Niederlage bei 1860 München Schiedsrichter Peter Gagelmann tätlich angegriffen. Damit fehlt Kiraly beim Spiel im Olympiastadion gegen den 1. FC Nürnberg (heute, 15 Uhr 30). Christian Fiedler wird für ihn im Tor stehen.

Dabei hatte Dieter Hoeneß in dieser Angelegenheit noch am Morgen ein gutes Gefühl gehabt. Der Manager von Hertha hatte es als „positives Zeichen“ gesehen, dass es ohne vorheriges schriftliches Verfahren direkt zur mündlichen Verhandlung vor dem Sportgericht kam. Normalerweise ergeht zunächst ein schriftliches Urteil. Nach der Entscheidung sagte Hoeneß am Freitagabend: „Die Gerechtigkeit hat fast gesiegt. Es ist uns gelungen, Gabor Kiraly vor einer längeren Strafe zu schützen.“

Kiraly war am Vormittag in die DFB-Zentrale in Frankfurt am Main gereist. Seine beiden Mannschaftskollegen Dick van Burik und Roberto Pinto wurden vor dem Sportgericht als Zeugen gehört – per Videokonferenz. Sie saßen auf der Hertha-Geschäftsstelle vor einer Kamera, die die Bilder direkt nach Frankfurt am Main sendete.

Van Burik und Pinto sagten gegen Matthias Anklam aus, der in München Linienrichter war. Als der Münchner Schroth den Ball mit der Hand ins Tor abgefälscht hatte, beschwerte sich van Burik beim Linienrichter. Anklam soll erwidert haben: „Verpiss dich!“ Van Burik sagt: „Dass wir auf dem Fußballplatz nicht immer gesittet miteinander reden, das ist normal.“ Nur könne es nicht sein, dass ein Spieler meckert und gesperrt wird, „und ein Linienrichter immer weitermachen kann“. Anklam soll Pinto später mit der Fahnenstange aggressiv zur Seite geschoben haben. Das Sportgericht des DFB wertete Anklams Verhalten jedoch nicht als unsportlich und sprach ihn von allen Vorwürfen frei.

Vergessen ist der Streit damit nicht. Das Image von Hertha in der Branche ist nicht unbedingt besser geworden. Die Schiedsrichter werden mit ihren Kollegen darüber reden. Nicht nur über die Spieler, auch über Manager Hoeneß. Der hatte in Anspielung auf das Schiedsrichtergespann gesagt: „Wir haben gegen 17 Münchner verloren.“ Der DFB hat Hoeneß um eine Stellungnahme gebeten. In der kommenden Woche muss Hoeneß vor das Sportgericht.

Auf die Stimmung in der Mannschaft könnten die Vorfälle von München sogar positive Auswirkungen haben. „Wir spielen mit mehr Emotionen“, sagt Dick van Burik. Und: „Wir spielen besseren Fußball.“ Lange wurde der Mannschaft vorgeworfen, sie akzeptiere Niederlagen einfach. So wie in Kiel, als Hertha aus dem DFB-Pokal ausschied. Oder wie gegen Mönchengladbach, als Hertha zu Hause verlor. Andreas Neuendorf sagt: „Wenn du schlecht spielst, dann hast du automatisch weniger Selbstvertrauen. Aber die Mannschaft ist nie tot gewesen.“ Allerdings bergen die neu erwachten Emotionen auch Gefahren. Das konnte man am Dienstag sehen, als Andreas Neuendorf im Uefa-Cup-Spiel gegen Aberdeen (1:0) die Nerven verlor und vom Platz flog. „Wir dürfen es nicht übertreiben“, sagt van Burik.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben