Sport : Mit Gefühl an die Spitze

Der SC Charlottenburg geht mit neuen Spielern und neuer Philosophie in die neue Volleyball-Saison

Helen Ruwald

Berlin - Der Angriff erfolgt auf der Straße. Und vor den Müllcontainern. Mit der Popularität von Alba Berlins Basketballern können die Volleyballer des SC Charlottenburg zwar nicht mithalten, aber zumindest sollen die Gesichter der Spieler im Berliner Straßenbild genauso bekannt werden. Die Basketballprofis prangen auf den blauen Fahrzeugen des Entsorgungsunternehmens Alba – in ein paar Wochen sollen nun die ersten orange-weißen Fahrzeuge des Konkurrenten Berlin Recycling mit Fotos der Volleyballer durch die Stadt fahren. Die Aktion mit dem Sponsor ist Teil einer großen Marketingkampagne, mit welcher der SCC seinen Bekanntheitsgrad steigern und sich hinter Hertha BSC, Alba und den Eisbären etablieren will.

Doch auch auf dem Spielfeld hat der Deutsche Meister von 2003 und 2004 in der heute beim Moerser SC beginnenden Saison viel vor. Nach den Plätzen vier und drei in den vergangenen Jahren wollen die Berliner unbedingt wieder ins Meisterschaftsfinale einziehen und sich schnellstmöglich in der Champions League zurückmelden. „In der letzten Saison hat die Substanz nicht gereicht, die Mannschaft war auf dem Spielfeld nicht engagiert genug“, sagt Manager Kaweh Niroomand. Im Sommer kam es zum großen Umbruch, sechs Spieler haben den Verein verlassen, fünf neue sollen den SCC wieder an die Spitze und auf Augenhöhe mit dem Topteam des VfB Friedrichshafen führen. „So schwer es uns menschlich gefallen ist, wir haben uns zur Trennung von Spielern entschlossen, denen wir viel zu verdanken haben“, sagt Niroomand. Nisse Huttunen gehört dazu, vor allem aber der ehemalige Nationalspieler und SCC-Kapitän Marco Liefke, der nicht mehr zu einstiger Klasse gefunden hat. Wäre er nicht bei einem anderen Verein untergekommen, hätte ihm der SCC zu reduzierten Bezügen den bislang noch freien zwölften Platz im Kader angeboten. Das blieb Liefke erspart, er schmettert nun in der zweiten italienischen Liga für Taviano.

Seine Position als Diagonalangreifer soll der 21 Jahre alte Falko Steinke einnehmen, Neuzugang vom Bundesligaaufsteiger Netzhoppers Königs Wusterhausen. Er spielt erst seit vier Jahren Volleyball und lebt derzeit vor allem von seiner Athletik und Schlagkraft. Doch der SCC-Manager ist überzeugt: „Wenn er sich so weiterentwickelt, wird das ein ganz Großer.“ Der 29 Jahre alte Serbe Jovan Vukanovic, der zuletzt in Tschechien spielte, ist als Ergänzung zu Steinke eingeplant. „Mit beiden zusammen sind wir auf dieser Schlüsselposition stärker besetzt als in den letzten Jahren“, sagt Niroomand. Hier habe die Konkurrenz die wichtigen Spiele entschieden – für Friedrichshafen der deutsche Nationalspieler Jochen Schöps, für den letztjährigen Zweiten Düren der Venezolaner Heriberto Quero. Ihnen will der SCC künftig besser Paroli bieten können. Vukanovic wird wegen Trainingsrückstands aber erst im Dezember fit sein.

Neu im Team sind auch Außenangreifer Athanasios Panousos, Zuspieler Tilo Koch und Libero Frank Bachmann. Bachmann und Panousos stehen für das neue Zauberwort der Charlottenburger: Emotionen. Das Team soll sie zeigen und die Fans mitreißen. „Berlin soll zur Festung werden, die schwerer einzunehmen ist als der Hexenkessel von Düren“, sagt Trainer Michael Warm. Vor allem von Bachmann erwartet Niroomand viel: „Er bringt viel Emotionen rein, führt und dirigiert viel. Mit ihm werden wir mehr Engagement in der Defensive haben.“

Das würde dem SCC sicher schon heute Abend beim Moerser SC gegen die Grozer-Familie gut tun. Georg Grozer junior ist der Star auf dem Feld, sein streitbarer Vater Georg Grozer senior sitzt seit dieser Saison auf der Trainerbank.

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