Sport : Mit Geld und Verstand

Warum Mannheim derzeit die DEL dominiert.

Berlin - Eigentlich hätte Harold Kreis am späten Freitagabend in München allen Grund zur Freude gehabt. 5:1 hatten die Mannheimer Adler gerade das Team des EHC München in dessen Arena vorgeführt, doch Trainer Kreis sagte nur trotzig: „Das Spiel interessiert mich schon jetzt nicht mehr, jetzt konzentriere mich allein auf unser schweres Spiel in Nürnberg.“ Nürnberg? Da spielen die Adler erst am Sonntag, die Ice Tigers hingegen hatten am Samstag erst noch ihren großen Auftritt vor 50 000 Zuschauern im Frankenstadion. Angesichts des bevorstehenden Winter Games gegen die Eisbären (bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch im Gange) haben die Nürnberger bestimmt kaum einen Gedanken an das Spiel am Sonntag verschwendet. Aber der Frust ist einfach zu erklären: Ursprünglich wollten die Adler beim Freiluftspiel in Nürnberg antreten, dann aber wählten die Franken Meister Eisbären Berlin als Gegner. Dabei hätte – nach aktuellem Tabellenstand – Mannheim prima nach Nürnberg gepasst: Die Adler sind Tabellenführer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) und seit einigen Wochen das Team überhaupt.

Ein Grund für den Mannheimer Formanstieg ist offensichtlich: Mit Marcel Goc, Dennis Seidenberg und den später hinzugekommenen Jochen Hecht und Jason Pominville haben die Adler gleich vier Spieler aus der momentan brachliegenden National Hockey-League (NHL) im Aufgebot – so viele wie kein anderes Team in der Liga. Dazu kommt: Pominville und Hecht spielten in der NHL zuletzt bei den Buffalo Sabres zusammen, sie kennen sich also bestens. Hecht gelang in jedem seiner bisher fünf Spiele mindestens ein Scorerpunkt, insgesamt hat er schon zwölf gesammelt. Der gebürtige Mannheimer sagte in München im Fernsehinterview: „Man merkt, wie sehr unsere Reihe harmoniert und dass es uns Spaß macht.“

Nur mit dem Faktor Spaß und den NHL-Profis allein lässt sich die neugewonnene Stärke nicht erklären. Trainer Kreis hat trotz des verlorenen Meisterfinales gegen die Eisbären auf Kontinuität gesetzt. Das war neu in Mannheim, wo sie in der Vergangenheit mit den Millionen ihres Sponsors Dietmar Hopp oft recht großzügig umgingen, Spieler mit laufenden Verträgen schon mal abfanden und dann nach einer erfolglosen Saison auch mal die halbe Mannschaft ausgetauscht haben.

Diesmal aber haben sich die Adler geschickt verstärkt – wobei sie den Arbeitskampf in der NHL besser nutzen konnten als die Konkurrenz. Von den vier geholten Profis ist nur Pominville kein Deutscher, noch immer haben die Mannheimer sogar eine Ausländerstelle frei – die sie auch nutzen wollen, falls es in der NHL zu einer Absage der kompletten Saison kommen sollte. Aber erst einmal treten die Adler heute in Nürnberg an. Mit guten Chancen, denn die Profis der Ice Tigers werden nach dem Kraftakt im Frankenstadion nicht eben ausgeruht sein. Claus Vetter

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