Sport : Mit Genuss zum zweiten Titel

Franziska van Almsick siegt über 100 m Freistil

Frank Bachner

Berlin - Zum Schluss muss es wahrhaft grausam gewesen sein. „Noch nie in meinem Leben bin ich bei einem Rennen auf den letzten Metern so gestorben wie gerade eben“, sagte Franziska van Almsick. Sie hob extra die Stimme, um zu demonstrieren, wie grausam es war. Aber es hat sich gelohnt. Die zweimalige Weltmeisterin wurde gestern in Berlin Deutsche Meisterin über 100 m Freistil. Sie schlug in 54,98 Sekunden an, genau eine Hundertstelsekunde vor Antje Buschschulte (Magdeburg). Aber was ist schon eine Hundertstelsekunde?

„Es geht in so einem Fall nicht um Platz eins oder zwei“, sagte Weltrekordlerin van Almsick. Geht es natürlich normalerweise schon, aber Franziska van Almsick war in der Stimmung, um großzügig zu sein. Sie hatte bereits die 200 m Freistil gewonnen, sie startet, bis jetzt, auf zwei Einzelstrecken in Athen, „das ist wunderschön“. Die ganze Anspannung ist von ihr abgefallen, das hat man gestern gesehen. „Ich kann jetzt alles genießen“, sagte sie. Hätte sie über 200 m Freistil ein Olympiaticket verpasst, dann wäre der Druck auf sie vor den 100 m Freistil nahezu unerträglich geworden. Die Zeit? „Nicht so berauschend. Wir haben uns beide mehr vorgestellt.“ 54,98 Sekunden – das ist klar über dem deutschen Rekord (54,39), den sie gemeinsam mit Buschschulte hält. Aber wen störte das? „Mir ist lieber, ich habe jetzt Fehler gemacht, als dass ich in neun Wochen bei den Olympischen Spielen patze.“

„Sie kann über 200 m Freistil gut eine bis 1,5 Sekunden schneller sein“, sagt Bundestrainer Achim Jedamsky, der früher für die Frauen zuständig war. Aber van Almsick dachte gestern nicht an das bevorstehende harte Training. Sie fiel nach ihrem Rennen erst ihrer Managerin Regine Eichhorn um den Hals. Dann ging sie zu ihrem Trainer Norbert Warnatzsch. Den umarmte sie auch. Aber zuvor deutete sie mit beiden Fingern auf ihre Oberschenkel. Klare Geste: Ihre Beine waren total fest.

0 Kommentare

Neuester Kommentar